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Caillean

Posted on 22.12.2020

Neues aus der Tuchvilla   Nach einer langen Pause hat Anne Jacobs doch noch einen 4. Teil ihrer Erfolgssaga „Die Tuchvilla“ veröffentlicht. Die Fans waren glücklich, der Verlag sicher auch. Ich war - wie immer, wenn augenscheinlich der Erfolg Treiber eines weiteren Teils ist - erst einmal skeptisch. Denn wenn eine Reihe auserzählt ist, wirken weitere Teile irgendwie „rangeklatscht“ und nicht mehr aus einem Guss. Doch diese Sorgen hätte ich mir hier nicht machen müssen.   Schon nach kurzer Zeit war ich wieder mitten drin, Bilder kamen wieder vors geistige Auge, die Erinnerungen weckten an die ersten drei Teile. Und so bin auch ich ganz schnell wieder zum Tuchvilla-Fan mutiert J   Natürlich ist die Zeit vorangeschritten und in diesem Band, der im Jahr 1930 spielt, sind auch die Kinder aus den vorigen Bänden schon ein wenig größer geworden und haben eigene Sorgen und Probleme. Neben den bekannten Charakteren hat die Autorin hier also auch Raum geschaffen, um Leo, Dorothea (Dodo) und Henny eine eigene Stimme zu verleihen. So ist Leo ein zartes Kind, das einen großen Hang zum Künstlerischen entwickelt und bei dem sich große Musikalität abzeichnet. Doch er hat es nicht leicht bei seiner russischen Klavierlehrerin, die ein Wunderkind aus ihm machen möchte. Seine heimlich gefertigten Kompositionen behält der Junge für sich, da er von seinem eigenen Schaffen (noch) nicht überzeugt ist.   Ganz im Gegensatz dazu interessiert sich Dodo für technische Zusammenhänge und hat ein ausgeprägtes naturwissenschaftliches Verständnis. Leider bemerken das ihre Eltern nicht bzw. nehmen es nicht für voll. Erst, als die Existenz der Tuchfabrik von Dodos Wissen abhängt, kommen die Erwachsenen dahinter, wie bemerkenswert ihre Tochter ist.   Auch bei den anderen Bewohnern der Tuchvilla gibt es wieder ein Potpourri von Verwicklungen und Schicksalsschlägen. Ärztin Tilly will sich scheiden lassen, Tuchfabrikant Paul wird schwer krank und die junge Bedienstete Liesel kommt dahinter, dass sie adliger Abstammung ist. Genug Stoff, um daraus wieder eine mitreißende Geschichte zu spinnen, die den Fans der Tuchvilla viel Freude bereiten wird.   Da ich die ersten drei Bände kenne, fällt es mir schwer einzuschätzen, ob die Geschichte auch für Tuchvilla-Neulinge geeignet wäre. Ich denke, man sollte schon ein gewisses Vorwissen aus den bisherigen Bänden mitbringen. Aber der bevorstehende Jahreswechsel bietet hoffentlich Ruhe und Zeit zum Lesen oder Hören – warum also nicht in allen Bänden der Tuchvilla schwelgen und die Geschichte genießen? Geeignet für die Weihnachtszeit ist so eine Familiensaga auf jeden Fall!   Und auch für Sprecherin Anna Thalbach muss ich wieder eine Lanze brechen – sie macht aus dem doch recht umfangreichen Roman ein kurzweiliges Hörbuch, bei dem die 16 Stunden Spielzeit wie im Flug vergehen, und bringt mit ihrer aufgeweckten Art viel Pep in die Geschichte.

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