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Wordworld

Posted on 16.12.2020

Ich habe diesen fünften Teil gleich nach der Erscheinung geschenkt bekommen, mich ganz lange aber nicht herangetraut da ich auf der einen Seite die Vorfreunde noch ein wenig herauszögern wollte, auf der anderen Seite aber auch Angst vor einer Enttäuschung hatte. Das wies sich als total unbegründet heraus - Sarah J. Maas setzt uns hier mal wieder ein ultimatives Fantasy-Epos vor, das an Bildgewalt, emotionaler Tiefe und Plotkonstruktion kaum noch zu übertreffen ist. Ich kann gar nicht sagen wie sehr ich diese Welt und ihre Bewohner liebe und wieder jeden Lesemoment genossen habe! Mein Herz platzte vor lauter Gefühlen fast und ich habe die fast 800 Seiten in zwei Tagen weggelesen, weil ich einfach nicht aufhören konnte. Wir werden auf eine unglaublich epische Achterbahnfahrt gefüllt mit den unterschiedlichsten Facetten und Farben mitgenommen: eine Geschichte, die an Genialität, Gefühlen, Atmosphäre, Nervenkitzel und purem Lesevergnügen nicht mehr zu übertreffen ist (außer vielleicht durch Teil 6?)! "Ich liebe dich. Was ich dir geben kann hat keine Grenzen und ich brauche keine Zeit. Selbst wenn diese Welt irgendwann nur noch ein vergessenes Flüstern von Staub zwischen den Sternen ist, werde ich dich immer noch lieben." Doch bevor ich meine Lobeshymne beginnen will, erst noch ein paar Bemerkungen zur Gestaltung. Auch der fünfte Teil reiht sich wieder in die Gestaltung ein und wenn ich am Anfang den "mangamäßigen" Motiven noch sehr kritisch gegenüberstand, muss ich echt sagen, dass sie mir mit jedem Band besser gefallen. Denn auch hier kann man sofort Aelin wiedererkennen: stark, unerschrocken, in ihren Kampfanzug gekleidet, kämpferisch mit dem Schwert in der Hand und mächtig mit ihren Flammen und ihrer Wassermagie - eine dunkle Königin und mächtige Magierin! Wieder ist der Hintergrund weiß und unsere Lieblingsprotagonistin wird von ihrer Feuer- und Wasser-Magie umgeben. Mit seinen 848 Seiten ist dieser Band der längste der Reihe - die Länge hat zusammen mit der Qualität und der Bandnummerierung zugenommen, bin also mal gespannt, was im sechsten kommt... ;-). Mit der Übersetzung des Originaltitels "Empire of Storms" zu "Die Sturmbezwingerin" bin ich zum ersten Mal nicht ganz einverstanden. Warum versteht vielleicht jeder, der das Buch gelesen hat. Die vorangestellte Karte von Erilea hilft mal wieder sehr, den Überblick über die etlichen Handlungsorten zu behalten. Erster Satz: "Die Knochentrommeln dröhnten seit Sonnenuntergang über die zerklüfteten Hänge der Schwarzen Berge." Wir beginnen dieses Mal mit einem kurzen Prolog über Gavins und Elenas Kampf gegen Erawan vor einigen Jahrhunderten, bevor wir in die Reise unserer Protagonisten durch den Oakwald einsteigen. Ich muss zugeben, auch wenn ich gefühlsmäßig sofort wieder in der Handlung war und gepackt wurde, hatte ich schon wieder viele Details und Einzelheiten der an eben jenen nicht besonders armen vorhergegangenen Bänden vergessen, sodass ich immer eine ganze Weile gebraucht habe, um Zusammenhänge und Anspielungen zu verstehen. Wieder bekommen wir die Gesamtgeschichte aus verschiedenen Perspektiven an verschiedenen Orten vermittelt, hier aber deutlich weniger komplex und verwirrend da ein Großteil unserer Protagonisten zusammen reist und der Handlungsstrang in Anielle mit Chaol und Nesryn ein eigenes Buch gewidmet bekommen hat. Es bleiben neben Aelin, Rowan, Aedion, Lysandra und Co. also noch Elide, Lorcan und Manon als Handlungsstränge übrig, die natürlich alle darauf abzielen, sich im großen Finale zu treffen. Dabei sind alle der Handlungsstränge so spannend und berührend entwickelt, dass ich diesmal gar nicht wusste, welchen ich am spannendsten fand und sich bei einem Perspektivwechsel Bedauern und Vorfreude die Hand gaben. "Ihre Familie - und ihr Königreich. Zwei Träume, die sie lange verloren geglaubt hatte, begriff sie als der nördliche Wind ihr das Haar zerzauste. Zu deren Schutz sie alles tun würde - sich verkaufen , sich zugrunde richten. Und Aelin Galathynius, Königin von Terrasen, wusste, dass die Zeit bald kommen würde zu beweisen, wie sehr sie für Erilea zu bluten bereit war..." Die Fokussierung der Erzählweise hat genau wie die Handlungsorte, die Charaktere und der Schreibstil einen deutlichen Wandel über die Bände hinweg hinter sich. Nachdem wir Celeana zuerst im harten Wettkampf als kaltherzige Assassine kennenlernten, der zweite Teil sich dann eher auf die Intrigen am Hof des Königs konzentrierte, "Throne of Glass - Erbin des Feuers" eine eher dunkle, düstere und magische Fortsetzung war, die sehr viel mit den inneren Dämonen ihrer Charaktere spielt, sich der vierten Teil vor allem auf die globalen Entwicklungen im Mächteverhältnis in Erilea durch viele epische Szenen und Action konzentrierte, dürfen wir hier unsere Protagonisten auf ihrer Suche nach Verbündeten für den großen Kampf begleiten, dabei durch ganz Erilea reisen, viele neuen Parteien kennenlernen, alte Bekannte wieder treffen, mehr über die Vergangenheit des Kontinents und ihrer Bewohner erfahren und zusehen, wie sich das komplexe Netz aus Intrigen, Beziehungen und Macht immer weiter zu zieht (Sorry für den Monstersatz ;-)). Das ist insofern spannend, dass die Protagonisten praktisch ständig in Bewegung sind, neue Aspekte beleuchtet werden und sich natürlich auch die ein oder andere Gelegenheit für eine epische Schlacht oder eine überraschende Wendung bietet. Diese nutzt die gute alte Sarah natürlich immer bis zum Anschlag aus: wieder und wieder hat mich das Buch eiskalt erwischt und aufs Neue entsetzt und begeistert! "Morath entfesselt seine Gräuel", bemerkte Lysandra. "Maeve regt sich auf der anderen Seite des Meeres. Zwei Göttinnen gehen Hand in Hand mit Aelin." (…) Lysandra fuhr so leise fort, als ob sie fürchtete, dass jene Götter es hörten. "Wir haben noch nicht das volle Ausmaß von Erawans Dunkelheit gesehen. Und ich glaube, wir haben noch nicht das volle Ausmaß von Aelins Feuer gesehen." Mir gefällt es, wie die ganze Geschichte lebt. Manche Fantasy-Welten werden einmal aufgebaut und dann spielt sich die Handlung in diesem statischen Bühnenbild ab. Doch nicht bei dieser Reihe: Ständig verändert sich der Fokus, der Blickwinkel, der Handlungsort der Geschichte, es werden neue Dinge aufgenommen, bestehende ändern sich - eine stetige Entwicklung, die die Geschichte so perfekt und schlüssig erweitert, dass aus dem roten Fanden, ein rotes Band wird. Das ist eine Fähigkeit, für die ich Sarah J. Maas immer bewundern werde: ihre zusammenhängende Darstellung der Welt, die immer komplexer, verschachtelter und geheimnisvoller wird, mit jedem Charakter und Handlungsstrang der dazukommt. Dabei verliert sie nie das Wesentliche aus den Augen und überlädt die Story auch nicht - sie pickt sich einzelne interessante Aspekte gekonnt heraus, welche dann weiter gesponnen und vernetzt werden, bis ein umwerfendes Gesamtergebnis entsteht! Dazu trägt auch ihr außergewöhnlicher Schreibstil bei. Wie für die ganze Reihe gibt es ein Wort, das ihr erstaunliches Talent, Worte in Sätzen so zu platzieren, dass sie der Geschichte alleine durch den Schreibstil ein imposantes Auftreten verleihen, super beschreibt: EPISCH. Durch ihre teils sehr außergewöhnliche Wahl der Worte und ihre intensiven Szenenbeschreibungen, fühlt man sich oft, als würde man einem Film zusehen, der vor den eigenen Augen abläuft - Ein wunderbarer Film voller Action, Gefühle und Hintergrund und mit genialen Schauspielern natürlich ;-) "Die Welt begann und endete in Feuer. Einem Meer aus Feuer ohne Raum für Luft, für andere Geräusche, als dem einer einstürzenden, schmelzenden Erde. Dem wahren Herzen des Feuers - dem Werkzeug zur Schöpfung und Zerstörung. Und sie ertrank darin." Das ganz besondere Herzstück der Geschichte, das diese Fantasy-Geschichte von vielen anderen im High-Fantasy-Bereich abhebt, sind jedoch die Protagonisten. Sobald epische Schlachten, ganze Königreiche und unendliche Macht ins Spiel kommen, neigen Autoren dazu, nur noch über die "großen Themen" zu schwafeln und ihre Protagonisten dabei zu Statisten verkommen zu lassen. Hier ist das jedoch eher umgekehrt: die Anzahl an Charaktere, die ich nie wieder vergessen werde, wächst mit jedem Buch weiter an und meine Verbindung zu ihnen wird immer tiefer. "Die Königin von Flamme und Finsternis, die Erbin des Feuers, Aelin vom Wildfeuer, Feuerherz... Sie brannte sich durch jeden ihrer Titel, auch als sie selbst zu diesen Titeln wurde, als sie das wurde, was diese fremden Botschafter einst gezischt hatten, als sie von der wachsenden, haltlosen Macht einer Kindkönigin in Terrasen berichtet hatten. Ein Verspechen, das in die Schwärze geflüstert worden war. Das Inferno nahm kein Ende." Aelin alias Caleana ist eine ganze besondere Protagonistin, über die ich sehr gerne lese und die in jedem Teil ein neuer Teil ihrer Persönlichkeit zu entdecken scheint. Hier beginnt sie endlich sich in die Rolle von Aelin Ashryver Galathynius Königin von Terrasen einzuleben, die wie ein Phönix in der Kraft ihrer Feuermagie die Asche ihrer Vergangenheit, also die Assassine Celaena Sardothien, abgeschüttelt hat und neu geboren wurde. Jede Spur von Unsicherheit und Verantwortungslosigkeit ist bei ihr verschwunden und sie ist ganz zu der großen Magierin, Kämpferin und Königin geworden, die nötig ist, um eine Chance im Kampf gegen Erawan und Maeve zu haben. Mit ihrer direkten und stürmischen Art, ist sie mir wirklich ans Herz gewachsen - enger als kaum eine andere Protagonistin je zuvor - und ihre Stärke, ihr Durchhaltevermögen, ihre Intelligenz, ihr Mut, ihr Beschützerinstinkt, ihre Autorität und ihre Güte haben mich immer wieder inspiriert. Ihre Fähigkeit, aus jeder Situation das Beste zu machen und mindestens ein Ass in jedem Ärmel zu haben und ihre schier bodenlose Macht machen sie außerdem zu einer Protagonistin, die immer wieder für eine Überraschung gut ist. Auch wenn sie für mich immer eine besondere Person bleiben wird, muss ich jedoch sagen, dass ich mich zugunsten der anderen Protagonisten immer weiter von ihr entfernt habe. Sie wird mir fast ein wenig zu mächtig, was fast schon gruselig ist, bringt immer wieder noch mehr Macht, noch mehr Verbündete, noch mehr Wendungen mit ein, die irgendwann total unrealistisch wären, wenn es nicht so verdammt episch wäre, diese ewige Steigerung zu lesen. "Oh Götter - dies hier. Dies war es, was sie um den Verstand brachte - dieses Feuer zwischen ihnen. Mit diesem Feuer konnten sie die ganze Welt zu Asche verbrennen. Er gehörte ihr und sie gehörte ihm, und sie hatten einander quer durch Jahrhunderte des Blutvergießens und des Verlustes gefunden, über Ozeane und Königreiche und Kriege hinweg." An ihrer Seite *sabber, schmacht, seufz* steht unverrückbar, mächtig, liebend und aufopferungsvoll der unsterbliche Fae-Prinz mit dem knallharten Krieger-Körper, dem tätowierten Gesicht und dem weichen, verletzten Herzen: Rowan Whitethorn. Auch er hat in seiner Vergangenheit traumatische Erfahrungen durchlitten und kämpft immer noch mit seinen inneren Narben, hat sich aber für Aelin und die ganze Truppe zu einem verlässlichen Fels in der Brandung entwickelt. Ohne ihn mit seiner pragmatischen, sarkastischen und draufgängerischen Art könnte ich mir die Geschichte nicht vorstellen und dass die beiden sich endlich voll und ganz aufeinander einlassen können (natürlich mit der ein oder anderen schönen Szene) hat mir sehr gut gefallen. Irgendwie seltsam sind die beiden mit ihren ewigen Besitzansprüchen und ihrem ewigen Rumgeknurre aber schon... "Du bist mein Feuerherz." Sie nahm sein Gesicht in beide Hände und zog ihn zu sich herab um ihn zu küssen. Rowan schlang die Arme um sie, presste sie an sich und ließ die Hände über ihren Körper wandern, als würde er sich in seine Handflächen einbrennen, wie sie sich anfühlte, Sein Kuss war wild - Eis und Feuer, die sich umschlangen. Selbst der Regen schien innezuhalten, bis sie sich endlich atemlos voneinander lösten. Und durch den regen, das Feuer und das Eis, durch die Dunkelheit und durch Blitz und Donner flackerte ein Wort in ihre Kopf auf, eine Antwort und eine Herausforderung und eine Wahrheit..." Mit Aelin und ihrem Gefährten Rowan bilden die Gestaltwandlerin und Freundin Lysandra, der Kommandant und Cousin Aedion und der König von Ardalan Dorian eine Reisegesellschaft und den innersten Kreis im Kampf gegen Erawan. Alle rücken damit weiter in den Fokus der Geschichte und bekommen ihre kleine Nische, um sich weiterzuentwickeln. Dorian tritt hier wieder ein bisschen mehr in den Vordergrund nachdem er - von einem Valgprinzen besessen - zuvor weit ins Reich der Schatten zurückgetreten war. Es ist sehr interessant und amüsant zu lesen, wie er hier immer mehr seine Magie, seine rohe Macht, entdeckt und sich Manon weiter annähert. Sein erlittener Schmerz, seine neue Verantwortung und seine neuentdeckte Macht habe ihn zu einem neuen Menschen gemacht, den man erstmal neu kennenlernen muss, der sich aber wunderbar in das Handlungsgefüge einfindet. Lysandra ist mir schon in Band 4 und nun in Band 5 so fest ans Herz gewachsen, dass ich schon fast vergessen habe, dass sie erst im letzten Band aufgetaucht ist. Mir war die schlagfertige und listige Kurtisane sofort sympathisch, da sich hinter ihrer attraktiven Fassaden eine innere Stärke verbirgt, die ich zu Beginn nicht vermutet hätte. In ihr stecken außerdem eine Menge Überraschungen, denn als Gestaltwandlerin, die nach den Jahren ohne Magie immer mehr von ihren Möglichkeiten ausprobiert, stehen ihr viele Wege offen... Außerdem bin ich gespannt, wie sich das zwischen ihr und Aedion weiterentwickelt, mit dem ich leider immer noch nicht so viel anfangen kann, da er irgendwie wie ein laufender Eifersuchtsbolzen mit übersteigertem Beschützerinstinkt wirkt. Hier trifft er zum ersten Mal auf seinen Vater und wir erfahren mehr über seine Vergangenheit und die des Landes. Auch Fenrys und Gavriel, die zwei unsterblichen Fae und ehemaligen Kampfgefährten von Rowan, die wir in Band 3 schon kennenlernen dürfen, tauchen hier wieder auf der Bildfläche auf. Die beiden sollen den Ausreißer Lorcan töten und die Wyrdschlüssel zu Maeve bringen. Je länger die beiden jedoch mit der Truppe reisen, kämpfen immer mehr ihr eigener Wille und die Macht des Blutschwurs zu Maeve miteinander. "In diesem Moment verstand Manon, dass es Kräfte gab, die größer waren als Gehorsam und Disziplin und Brutalität. Verstand, dass sie nicht seelenlos geboren worden war; dass sie nicht ohne ein Herz geboren worden war. Denn da waren beide, Herz und Seele, und flehten sie an, diese Klinge nicht zu schwingen. Manon schaute zu den Dreizehn hinüber, die im Halbkreis um Asterin herumstand. Eine nach der anderen hoben sie zwei Finger an die Stirn. Ein Raunen durchlief die Menge. Es war eine Geste nicht zu Ehren einer Oberhexe. Sondern einer Hexenkönigin. Vergebung leuchtete in den Gesichtern ihrer Dreizehn auf. Vergebung und Verständnis und Loyalität, die kein blinder Gehorsam waren, sondern durch Schmerz und Kampf geschmiedete, durch gemeinsame Siege und Niederlagen. Geschmiedet in einer Hoffnung auf ein besseres Leben - eine bessere Welt. "Bring unser Volk nach Hause, Manon" Der zweite große Handlungsstrang widmet sich Manon Blackbeack, der Schwarmführerin der Ironteeth Hexen, die Erawan in Morath sammelt. Nachdem ich schon in Band 4 sehr überrascht war, wie mir diese gefühlslose, kalte und grausame Hexe so ans Herz wachsen konnte, habe ich sie hier immer mehr geliebt. Denn sie, die doch immer so diszipliniert und autoritär war, beginnt langsam an der Richtigkeit ihrer Mission zu zweifeln, als der Herzog beginnt, grausame Experimente mit Hexenzirkeln durchzuführen um grauenvolle Monster zu züchten. Einige der neuen Monster dürfen wir hier auf äußerst hübsche Art und Weise kennenlernen und ich muss sagen - ich liebe diese ekligen Biester. Schon zuvor konnte man erkennen, dass es ihr widerstrebte bloß ein Teil der Kriegsmaschinerie des Königs zu sein und konnte die vielen Risse sehen, die gute Taten in ihrem todbringenden und grausamen Image entstehen ließen. Als sie dann aber befehligt wird, Rifthold dem Erdboden gleich zu machen und Dorian nach Morath zu bringen, steht sie vor der großen Entscheidung und akzeptiert, dass sie nicht als Monster geboren sondern zum Monster gemacht wurde und sich aus freien Stücken dagegen entscheiden kann, der Welt vorzugaukeln, dass sie ein Monster ist. An ihrer Seite stehen unverrückbar ihre Dreizehn und ihr Flugwyvern Abraxos, der Manon erst den Weg in mein Herz geöffnet hat. Denn diesen großen Krieger mit viel Mut, Liebe, Mitgefühl und einer Vorliebe für Blumen, in die er immer seine Nase steckt, muss man als Fantasy-Liebhaber einfach lieben! Durch Manons Entscheidung und eine neuen Erkenntnis, die ihre Welt erschüttert, wird ihre Stellung in der weiteren Handlung komplett über den Haufen geworfen und ich bin sehr gespannt, wie sich dieser rätselhafte, spannende Charakter weiter positionieren wird. "Er beugte sich vor und trotz der Sümpfe, trotz dem, was sich in der Welt zusammenbraute hatte Elide zum ersten Mal in zehn Jahren keine Angst, als Lorcan ihre Lippen mit seinen eigenen liebkoste. (…) Er sah sie mit einer stummen Frage in den Augen an und ihre Hand hielt auf der Haut über seinem Herzen inne. Es schlug in einem tobenden, donnernden Rhythmus. Sie hob den Kopf, um ihn zu küssen und als ihr Mund erneut auf seinen traf, flüsterte sie ihre Antwort…" Der dritte Handlungsstrang besticht mit einer ganz neuen Beziehung zwischen zwei altbekannten Charakteren, die sich in den Wäldern Ardalans zu einer Zweckgemeinschaft fügen und schließlich mehr entwickeln als nur Loyalität: Elide und Lorcan. Mit der verkrüppelten, geschundenen Elide, die eigentlich keine besondere Fähigkeit besitzt als ihr wacher Geist und ihre Empfindsamkeit, kommt frischer Wind in den Kreis an alteingesessenen Charakteren, die alle durch besondere Macht bestechen können. Gerade weil sie nichts Besonderes an sich hat, kann man einfach nicht anders, als die Stärke und Klugheit zu bewundern, die in ihr stecken. Dass der eiskalte, todbringende Fae Lorcan sich in sie verlieben würde, während er eigentlich den Tod von Aelin plant, hätte außerdem wohl keiner voraussehen können... "Aelin ließ ihr schwarzes Feuer durch sich hindurchbranden. Dieses Bündnis zu sichern war nur ein Teil des Ganzen. Der andere Teil, der größere Teil war die Botschaft. Nicht an Morath. Sondern an die Welt. Heute würde ihre Botschaft durch die Königreiche donnern. Sie war keine Rebellenprinzessin, die feindliche Paläste zertrümmerte und Könige tötete. Sie war eine Naturgewalt. Sie war eine Katerstrophe und eine Kommandantin legendärere, unsterblicher Krieger!" Ihr seht also, diese Geschichte ist mal wieder unglaublich episch! Wenn man es genauer bedenkt ist eigentlich die ganze Reihe eine krasse Steigerung. Sobald man denkt, dass man schon auf dem allerhöchsten Level ist, kommt wieder eine epische Schlacht, die alles noch einmal toppt. Alles wird größer, mächtiger, epischer, spannender, herzzerreißender, gefährlicher, leidenschaftlicher und ich weiß nicht wo das hinführen soll. Wie soll ich jemals andere Fantasy lesen und nicht angesichts des riesigen Unterschieds verzweifeln? Mein absolutes Highlight dieser Geschichte ist die fulminante Seeschlacht in Skulls Bay. Als ich diese gelesen habe, wollte ich eigentlich frühstücken gehen... nun ja ich habe diese Mahlzeit dann einfach ausgelassen und bin gleich zum Mittagessen übergegangen. Und da Essen neben Lesen eigentlich meine Lieblingsbeschäftigung ist muss das schon etwas heißen... :-) "Rowan hatte keine eigene Armee besessen, die er Aelin hätte schenken können, die er Terrasen hätte schenken können. Und nun hatte er eine Armee für sie gewonnen. Mit den Dingen, von denen Aelin behauptet hatte, sie seien alles, was sie von ihm wolle. Sein Herz. Seine Loyalität. Seine Freundschaft. Und Rowan wünschte, sein Feuerherz wäre hier um zu sehen, wie das Haus Withethorn in Maeves Flotte krachte und Eis und Wind über den Wellen explodierten. (…) Er hatte es getan. Für sie. All das, für Aelin." Dann noch ein letzter Punkt, über den wir reden müssen: das fulminante Finale dieses Teils! Ich weiß nicht, wann mich das letzte Mal ein Buch so unter Strom gesetzt hat. Emotionen sind die eine Sache - Spannung und krasse Dramatik die andere. Die letzten Seiten waren so außergewöhnlich mitreißend, überraschend, spannend, actionreich, richtungsändernd und eindrucksvoll, sodass ich es wahrscheinlich nie vergessen werde. Alleine für diese eine Szene sollte dieses Buch schon 5 Sterne bekommen! Eine Wendung jagt die nächste, man hat eigentlich durchgängig Gänsehaut, Tränenausbrüche und unkontrollierte Zuckungen, sodass ich bestimmt die Gehirnströme einer Epileptikerin hatte, als die letzten Seiten durch mein Hirn jagten. Spätestens ab jetzt ist diese Reihe zu meiner "all time favourite Geschichte" geworden und ich konnte dem actionreichen, dramatischen und unglaublich tragischen Schluss nur gebannt folgen. Das wirkliche Ende ist dann wirklich erschreckend und absolut nervenzehrend, sodass ich keine Ahnung habe, wie ich die Zeit bis zum Erscheinen des nächsten Teils aushalten soll. Ich spüre jetzt schon meine harten Entzugserscheinungen, denen ich in diesen 6 Monaten ausgesetzt sein werde. Tja, jetzt heißt es warten und der Welt von dieser unglaublichen Reihe erzählen! "Die ganze Welt war ein Höllenreich, ohne Ende und ohne Anfang. Lorcans zerrissene, dunkle Seele warf den Kopf nach hinten und brüllte im Einklang mit dem brennenden Lied ihrer Macht mit." Fazit: Dunkle Geheimnisse, eine spannende Entdeckungsreise durch die Länder des Kontinents, neue Verbündete, alte Bekannte, epische Schlachten, neue Liebe und heftige Enthüllungen - diese Geschichte hat alles was man sich nur vorstellen kann! Ein ultimatives Fantasy-Epos, das an Bildgewalt, emotionaler Tiefe und Plotkonstruktion kaum noch zu übertreffen ist!

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