Profilbild von Wordworld

Wordworld

Posted on 16.12.2020

Nachdem ich vom ersten und zweiten Teil absolut begeistert war und gar nicht mehr aufhören konnte, sie in den Himmel zu loben nun das: der dritte Band der "Throne of Glass - Reihe" hat mich noch viel mehr geflasht, als der Auftakt der Saga. Doch wie ist das möglich? Die Antwort ist einfach: Rowan!!! Als ich mit dem Buch fertig war, konnte ich mich gar nicht sofort an die Rezension setzen, sonst wäre wohl bloß ein hyperbegeisterter Kauderwelsch mit tausend Ausrufezeichen und einer Million Herzchen herausgekommen. Schon lange habe ich keine so bewegende Fantasy Geschichte mehr gelesen, die mich direkt im Herz getroffen und so unfassbar mit fiebern hat lassen! Ich kann gar nicht sagen wie sehr ich diese Welt und ihre Bewohner liebe und jeden Lesemoment genossen habe! Doch lasst uns doch am Anfang beginnen... Erster Satz: "Himmel, was es heiß in diesem dämlichen Königreich." Um ihren größten Feind besiegen zu können und damit ganz Erilea aus der grausamen Herrschaft des Königis von Ardalan befreien zu können, musste Celaena Sardothien den Mann verlassen, den sie liebt und in ein fremdes Land aufbrechen. Mittlerweile ist sie in Wendlyn angekommen und hofft, dort von ihrer Fae-Tante Maeve mehr über die verschollenen Wyrdschlüssel zu erfahren, durch die der König seine Macht erhält. Aber die Königin der Fae gibt ihre Geheimnisse nur preis, wenn Celaena sich als würdig erweist. Trainiert vom undurchsichtigen Fae-Elitekrieger Rowan versucht Celaena, die Quelle ihrer Magie zu kontrollieren und ihr Fae-Erbe zu akzeptieren, was schwieriger ist als gedacht. In der Zwischenzeit forscht Chaol in Rifthold gemeinsam mit Celaenas Cousin Aedion heimlich nach der Ursache für das Verschwinden der Magie in ganz Adarlan, auch um seinen magisch begabten Freund und Kronprinzen Dorian zu helfen. Ein gefährliches Spiel, denn der König verfolgt bereits seine eigenen schrecklichen Pläne mit weitreichenden Folgen für alle Bewohner Erileas... So beginnt der dritte Teil ohne umschweife spannend - diesmal die verschiedenen Handlungsstränge auf verschiedene Kontinente verteilt. Durch die drei verschiedenen Handlungsorte – Wendlyn, Rifthold und die Feriansschlucht – erhält man als Leser einen guten Überblick über das Geschehen. Nachdem wir Celeana zuerst im harten Wettkampf als kaltherzige Assassine kennenlernten, der zweite Teil sich dann eher auf die Intrigen am Hof des Königs konzentrierten, so ist "Throne of Glass - Erbin des Feuers" eine eher dunkle, düstere und magische Fortsetzung, die sehr viel mit den inneren Dämonen ihrer Charaktere spielt. "Ich will, dass aus dir wird, was deiner Bestimmung entspricht. Dass du Königin wirst." Vor allem Celaena hat sehr zu kämpfen, denn die entsetzlichen Ereignisse von "Kriegerin im Schatten" haben tiefe Spuren in ihrer ohnehin schon geplagten Seele hinterlassen. Nun muss sie in einer fremden Umgebung mit den traumatischen Erinnerungen an den Mord ihrer Eltern vor 10 Jahren, ihrer Vergangenheit in den Salzminen von Endovier, dem blutigen Verlust ihrer besten Freundin und der Verantwortung als Königin von Terrasen fertig werden. Nicht gerade hilfreich dabei ist, dass sie von der Fae-Königin Maeve unter Druck gesetzt wird, ihre Gaben und somit ihre Bestimmung als Königin zu akzeptieren, die sie längst in sie begraben hat. Wir dürfen ihr dabei zusehen, wie sie Schritt für Schritt neue Kraft und Motivation findet und langsam ihr Schicksal als Aelin Ashryver Galathynius annimmt. Aber wer genau ist sie nun? Celaena Sardothien, Lady Lillian Gordiana, Elentiya oder die Königin Aelin Ashryver Galathynius? Ihre vielschichtige Art macht das sehr schwierig zu sagen: Sie ist eine eiskalte Killerin, eine erfahrene Kriegerin, eine eitle und geschmackvolle Frau, ein sanftes, musikalisches Wesen, eine Freundin in schlimmen Zeiten, der leise Tod, sarkastisch, freundlich, aufbrausend, attraktiv, vernarbt, sterblich, unsterblich, Halb-Fae, Halb-Mensch, geliebt, gehasst, gefürchtet. Ich LIEBE sie!!! "Celaena wusste, dass das Gold in ihren Augen Feuer gefangen hatte, denn als sie Maeve ansah, war das Gesicht der Königin kalkweiß geworden. Und dann setzte sie die Welt in Brand." Mit ihrer traumatischen Vergangenheit, der direkten und mutigen Art, dem überbordenden Beschützerinstinkt und der unglaublichen Kraft und Güte, die in ihr steckt, auch wenn sie immer daran zweifelt, ist sie mir schon in Band 1 und 2 sehr ans Herz gewachsen - enger als kaum eine andere Protagonistin je zuvor - und so war ich von ihrem Leid sehr berührt. Es ist soooo süß zu sehen, wie sie langsam beginnt, endlich aus dem Abgrund zu klettern, in den sie vor langer Zeit gestoßen wurde, anstatt der ganzen Welt die grausame und kaltblütige Maske von Celaena Sardothien zu zeigen, die genauso wenig ihr wahres Gesicht ist wie die schwache und schuldtragende Gestalt, als die sie sich selbst wahrnimmt! Eine Schlüsselfigur in dieser positiven Entwicklung ist definitiv Rowan, der Elite-Fae-Kämpfer, der dazu ausgewählt wurde, sie zu trainieren um ihre Magie kontrollieren zu können. Ich will auch gar nicht leugnen, dass ich den unsterblichen Fae-Krieger von der ersten Seite heillos angeschmachtet habe, neben seiner angeborenen Coolness ist er aber einer der interessantesten und wichtigsten Charaktere des Buches. Zuerst hält er nicht viel von Celaena, begegnet ihr schroff, herablassend und streng - der unsterbliche Fae und das kleine Mädchen. Doch langsam entwickelt sich zwischen den beiden ein ganz besonderes Verhältnis, das auf gegenseitigem Respekt und Vertrauen beruht,... vielleicht auch auf ein bisschen mehr... "Er streckte die Hand aus. "Dann also gemeinsam." Sie blickte auf den narbenübersäten, schwieligen Handteller, dann in das tätowierte Gesicht voll Hoffnung. Jemand, der sie verstehen konnte - der wusste, wie es war, tief im Innersten verletzt zu sein, jemand, der selbst noch dabei war, Millimeter um Millimeter aus seinem Abgrund zu klettern. Vielleicht würden sie nie herauskommen, vielleicht würden ihre Wunden nie ganz verheilen, aber ... "Gemeinsam", bekräftigte sie und ergriff seine ausgestreckte Hand. Da begann tief in ihrem Herzen die Asche zu glühen." Als die beiden sich näher kommen, lernen wir endlich mehr über den knallharten Krieger mit dem tätowierten Gesicht und erfahren, dass auch er traumatische Erfahrungen durchlitten hat und mit seinen inneren Narben und Wunden kämpft. Ich habe zwar immer noch Chaol ein bisschen nachgetrauert, denn bei Celaenas schwerwiegender Wandlung und der ganzen Nehemia-Geschichte war es eigentlich klar, dass die Beziehung der beiden einen zu großen Knacks erlitten hatte, um noch überleben zu können, finde Rowan, den geheimnisvollen Fae-Prinzen aber ehrlich gesagt viel cooler! ;-) Das Setting in Wendlyn, das magische Land ihrer Vorfahren hat mir sehr gut gefallen. Wir erkunden zusammen mit Celaena neues Land und neue Gebiete, die Landkarte der Geschichte wird größer und tiefer und somit bekommt der Handlungsstrang eine breitere Dimension als noch in Band eins und zwei. Auch der Aspekt der Magie, der bislang nur eine untergeordnete Rolle gespielt hat, da sie in Ardalan nicht mehr gewirkt werden kann, wurde sehr spannend aufbereitet und ergänzt die Geschichte so perfekt und schlüssig, dass aus dem roten Fanden, ein rotes Band wird. Das ist eine Fähigkeit, für die ich Sarah J. Maas immer bewundern werde: ihre zusammenhängende Darstellung der Welt, die immer komplexer, verschachtelter und geheimnisvoller wird, mit jedem Charakter und Handlungsstrang der dazukommt. Dabei verliert sie nie das Wesentliche aus den Augen und überlädt die Story auch nicht - sie pickt sich einzelne interessante Aspekte gekonnt heraus, welche dann weiter gesponnen und vernetzt werden, bis ein umwerfendes Gesamtergebnis entsteht! Einfach nur WOW! "Ebbe und Flut, unsterblich und sterblich, sterblich und unsterblich, ein so schneller Wechsel wie das Flattern von Vogelflügeln... Mit jeder Verwandlung bohrte sich die Quelle tiefer, das Feuer loderte auf und sackte ab und schoss wieder hoch, weit nach oben... Da schrie sie wirklich, denn ihre Kehle brannte wie Feuer, Feuer ihrer Magie, die nun endlich ihre Fesseln abgestreift hatte..." Durch Dorian und Chaol haben wir aber auch weiterhin den Einblick, was in Ardalan vor sich geht. Wir erfahren von einer Allianz aus Rebellen, die sich gegen den König formiert - angeführt von Aedion, Celaenas geliebtem Cousin und sich auch auf den Straßen Widerstand formt. Chaols Freundschaft zum Prinzen Dorian wird auf eine harte Probe gestellt als beide entscheiden müssen, auf welcher Seite sie in Zukunft stehen und für wen sie kämpfen werden. Dorian versucht seine magischen Fähigkeiten in den Griff zu bekommen um sie vor seinem blutrünstigen Vater verstecken zu können und lernt dabei die junge Heilerin Sorscha kennen. Sie ist ein sehr liebenswürdiger und zarter Charakter, der leider etwas blass bleibt. Chaols Handlungsstrang schläft leider ein kleines bisschen ein, während er Aedion Ashryver nachspioniert und die Gründe für das Verschwinden der Magie erforscht. Ich fand es sehr schade, dass er hier etwas schleifen gelassen wird, da ich ihn sehr lieb gewonnen habe. Aedion habe ich nach anfänglichem Zweifel auch bald ins Herz geschlossen - was bei seiner umwerfenden Loyalität zu Terrasen und der Rebellion fast nicht anders möglich war. "Sie preschten über ein Meer aus Wolken und Abraxos hieb seine Krallen hinein, bevor er sich zur Seite fallen ließ, um eine vom Wind geformte Wolkensäule hochzujagen, höher und höher, bis er ihre Spitze erreichte und sich von seinen Flügeln durch den eiskalten, dünnen Himmel tragen ließ. Die Welt blieb für eine Sekunde stehen. Dann breitete Manon ihre Arme aus und kostete den freien Fall aus, der Wind jetzt Musik in ihren Ohren und in ihrem verkümmerten Herzen..." Neu sind neben Rowan und Aedion auch die 3 verschiedenen Clans der Ironteeth-Hexen, welche den dritten wichtigen Handlungsstrang darstellen. Aus der Sicht der Hexe Manon Blackbeak, bekommen wir einen Einblick in die Pläne des Königs in der Feriansschlucht. Zuerst fiel es mir sehr schwer, mich mit der unglaublich gefühlslosen, kalten und grausamen Art der Hexe zu identifizieren, doch irgendwie hat es Sarah J. Maas dann doch geschafft, mir die eigentlich verabscheuenswürdige Gestalt, die sich am liebsten von Menschen ernährt, näher zu bringen, sodass ich schließlich mit ihr um ein Gelingen ihrer Pläne gefiebert habe. Sie ist so klar strukturiert grausam, dass man ab und zu ein weiches Herz und Gründe für dieses Auftreten erahnen kann. Mit ihr lernen wir ihre Dreizehn kennen, eine über Jahrhunderte zusammengeschweißte Kampfgruppe, ein Zirkel voller interessanter Charaktere und eiskalter Präzession, sowie die Machtstrukturen unter den einzelnen Hexenzirkeln. Was diesen Handlungsstrang aber so äußerst reizvoll für mich gemacht hat, sind die Wyvern! Gezüchtete, drachenähnliche Flugmonster - ein reines Kriegsobjekt, auf dem die Ironteeth-Hexen in den Krieg ziehen sollen. So ist das zumindest gedacht. Was keiner erwartet hat: Die Hexen bauen enge Verbindungen zu ihren Reittieren auf, behandeln sie wie Gefährten, reden mit ihnen. Als Manon einem kleinen, verkrüppelten Ködertier begegnet und er sie durch Zufall rettet, wählt sie ihn kurzerhand für sich aus, auch wenn sie dafür verspottet wird und nennt ihn Abraxos. In dem kleinen Tier steckt ein großer Krieger mit viel Mut, Liebe, Mitgefühl und einer Vorliebe für Blumen, in die er immer seine Nase steckt. Klingt das noch nach monströsem Kriegsobjekt? Eher nicht! Hinter den beiden steckt also mehr, als sie zu sein scheinen, so gewinnt man das Gespann sehr schnell lieb. Und ehe ich mirs versah, machte sie sogar meiner absoluten Lieblingsprotagonistin, Celaena, Konkurrenz, als ihr Handlungsstrang fast spannender wurde... "Die Narben....das waren nicht die Kennzeichen eines Opfers. Oh nein. Das waren die Trophäen eines Überlebenden." Mein einziger Kritikpunkt an dieser Reihe ist ebendieser Punkt: gerade am Anfang lässt sich die Autorin sehr viel Zeit für all ihre einzelnen Handlungsstränge, so trainiert Celaena stundenlang, Chaol rennt durch die Straßen von Rifthold, Dorian flirtet mit Sorscha und Manon erklärt die Hexenhierarchie... Von einer kurzen Durststrecke will ich nicht unbedingt reden, man wartet aber definitiv, dass etwas passiert. Und das tut es dann auch! Schlag auf Schlag geschieht eine Unfassbarkeit nach der anderen. Nachdem mich die Autorin nun schon so oft überrascht, mich mit ihren Wendungen glatt an der Nase herum geführt und die Handlung in eine unerwartete Richtung gelenkt hat, dachte ich so langsam, nun hätte ich alles überblickt und das Muster verstanden - und dann kam wieder so eine Überraschung, die ich einfach nicht voraussehen konnte und wieder eine... Eine nach der anderen haute sie raus, sodass ich einfach nur sprachlos war und dem actionreichen, dramatischen und unglaublich tragischen Schluss nur gebannt folgen konnte. "Eyllwe", flüsterte Chaol. "Schick eine Nachricht nach Eyllwe. Sag ihnen, sie sollen durchhalten - sie sollen sich bereit machen." Vielleicht war es das Licht, vielleicht war es die Kälte, aber Aedion hätte schwören können, dass der Captain Tränen in den Augen hatte, als er hinzufügte: "Sag ihnen, es ist Zeit zurückzuschlagen!" Neben der unglaublichen Handlungskonzeption, schafft es Sarah J. Maas auch meisterhaft, ihre Szenen bildhaft, lebendig und spannend zu konstruieren. Dieser geniale sowie einzigartige Sarah-J--Maas-Stil, der mir schon in den ersten Bänden gefallen hat, packte jetzt in Wendlyn und im Zuge der Magie, all seine Asse aus! Mit ihren mitreißenden, emotionalen, brutalen, detaillierten und flüssigen Darstellungen hat sie sich zu einer meiner absoluten Lieblingsautorinnen aufgeschwungen. Das Cover reiht sich perfekt ein und passt zu den vorangegangenen Bänden. Zuerst war ich nicht so begeistert von den Motiven, da sie mir viel zu "mangamäßig" und unecht wirkten. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und sehe in der illustrierten Figur die kämpferische Celaena wieder. Wieder ist der Hintergrund weiß und man sieht unsere Lieblingsprotagonistin mit Pfeil und Bogen in Angriffsstellung und grau/grüner Nebel. Das passt super zu Celaena und zur Geschichte. Mit seinen 655 Seiten ist es der längste Band der Reihe - bis jetzt! Das Ende bringt dann einen schlichtweg unfairen Cliffhanger, bei dem ich unglaublich froh war, dass ich Band 4 schon auf meinem Nachttisch liegen habe ;-)) "Sie war die Erbin von Asche und Feuer und sie würde sich vor niemandem verbeugen!" Fazit: Epischer geht es gar nicht: ein magischer Mix aus Altem und Neuem, was in einer mitreißenden Geschichte gipfelt. Ich LIEBE diese Reihe über alles!!!

zurück nach oben