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papierfliegerin

Posted on 2.12.2020

» 4.5 von 5 Sternen « Diese Rockstar-Geschichte ist anders! So ganz anders, als alles was man aus dem Genre-Bereich kennt. Samantha Young hat sich für eine umgekehrte Karriere entschieden, und zeigt schon während des Einstiegs in die Geschichte mit dem Finger darauf, wie tief der Fall nach der Karriere sein kann. Einziger Unterschied: Skylar hat sich bewusst dafür entschieden, ein Leben in der Obdachlosigkeit zu führen. Durch eine sehr bedrückende, aber gleichzeitig eben auch sehr authentischer Atmosphäre, lässt die Autorin den Leser in besagtes Leben abtauchen und ihn die Ausweglosigkeit klar erkennen und am eigenen Leib spüren. Das Mitfiebern mit der Protagonistin ist ab der ersten Silbe unausweichlich. Die ersten Seiten schafften es bereits, mich restlos in ihren Bann zu ziehen und auf ganzer Linie zu überzeugen. Selten erschienen mir die Szenen so lebendig,so greifbar, wie im ersten Drittel von „Fallen Dreams“. Auch die große Wende ist äußerst geschickt eingefädelt und so konnte man den Twist problemlos nachvollziehen. Skylar’s Elend wird auf die Spitze getrieben und sie sieht keinen anderen Ausweg, als Killian’s Angebot anzunehmen. Während ich also ab jenem Punkt damit rechnete, dass alles ins Klischee abdriftete, belehrte mich Die Handlung schnell eines besseren. Die hitzigen Wortgefechte zwischen Skylar und Killian sind amüsant, spritzig und absolut glaubhaft. Sie sorgen für Zündstoff und Abwechslung und halten die Spannung auf kontinuierlich hohem Niveau. Und das Knistern ist unterschwellig ständig zu spüren. Mir gefiel vor allem, wie negativ das Rockstar-Leben hier geschildert wurde und mit welchem Problematiken sich prominente Personen auseinandersetzen müssen. Samantha Young hat dies wunderbar verpackt und sehr realistisch dargestellt, ohne das ganze zu „überdramatisieren“. Ebenso bereitet es große Freude, auch mal hinter die Kulissen der Musikindustrie blicken zu dürfen. Es ist Abwechslung im tristen Alltag des New Adult – Genres und für mich in jeder Hinsicht etwas besonderes. Die verschiedenen Plots sorgen für das nötige Tempo, die Wendungen für einige sehr unerwarteten Überraschungen und das Prickeln für die entsprechenden Emotionen. Die Geschichte besitzt eine gehörige Portion Tiefgang und ist so viel mehr, als eine Rockstar-Romanze. Selten habe ich mich über fiktive Personen derart aufgeregt, und gleichzeitig mit den Tränen gekämpft. Selten habe ich mich so wohl in einem Buch gefühlt, während es mir gleichzeitig das Herz zerriss. In „Fallen Dreams“ ist jedes Gefühl vertreten; es ist eine Achterbahnfahrt, die trotz Tränen, Wut und Trauer aber eindeutig Spaß macht. Erst gen Ende spürte ich dann das „altbekannte“ Drama. Während es schon fast selbstverständlich ist, dass kurz vor Ende nochmal Hektik ausbricht und im Kopf des Lesers alle Alarmglocken schrillen, hätte ich mir hier ein bisschen weniger Tragik gewünscht. Die Geschichte war ja schließlich schon vor dem letzten Plot größtenteils rund – und auch wenn erst danach die letzten Fragen beantwortet wurden, erschienen mir die Reaktionen der Beteiligten ein bisschen „to much“. Nichts desto trotz ändert das rein gar nichts daran, dass schon der Blick aufs Finale mir Herzrasen bescherte. Dieses ungute Gefühl, das ich in der Bauchgegend spürte, bewahrheitete sich und letztlich rüttelte auch dieser winzige Kritikpunkt nichts mehr an meiner allgemeinen Liebe für diese Geschichte. Samantha Young’s Schreibstil hab ich zuletzt als leicht und flüssig beschrieben und daran hat sich nichts geändert. Noch immer kam ich wunderbar durch die Geschichte; empfand ihre Wortwahl und Beschreibungen als überaus verständlich und bildhaft und fühlte mich alles in allem sehr wohl. Durch eine sehr intensive, alles umhüllende Atmosphäre versinkt man regelrecht im Geschehen und kann den Alltag kinderleicht vergessen. Dabei kann die Autorin sowohl die herzerwärmenden Szenen gut transportieren, als auch die erotischen Passagen. Doch selbst an der Action und den Spannungsmomenten scheitert sie zu keiner Sekunde. Sie verpackt die Szenen so, dass man sich immerzu als Teil der Handlung sieht und nicht als Außenstehender oder als ferner Beobachter. Dabei setzt sie auch hier wieder auf eine einzelne Sicht. Wir erfahren die Geschichte rein aus Skylar’s Sicht und auch wenn ich immer mal wieder gern einen Blick in Killian’s Kopf geworfen hätte, fehlte mir nichts. Dafür sorgte aber auch die Sprecherin, die mit einer sehr angenehmen Stimmfarbe die perfekte Besetzung für Skylar darstellte. Nina Schöne hauchte ihr Leben ein, verlieh ihr Tiefe und Authensität und alles in allem machte die Sprecherin einen wirklich extrem guten Job! Ich hätte ihr sicher noch etliche Stunden zuhören können, ohne dass ich mich an ihr oder ihrer Art, vorzulesen, gestört hätte. Die Charaktere, die wir hier begleiten dürfen, sind allesamt ein Traum. Allein die Dynamik untereinander ist wirklich auf ganzer Linie geglückt. Man spürt die Vibes, die zwischen den einzelnen Figuren herrschen, während des Lesens ganz deutlich und kann sich selbst wunderbar in die Dialoge und Passagen hineinversetzen. So gibt es von Liebe bishin zu Antipathie alles, was das Spektrum hergibt. Und jedes Gespräch ist glaubhaft und lebensecht dargestellt. Die ehemalige Frontsängerin einer Rockband wurde mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet und mit sehr viel Tiefgang und Greifbarkeit versehen. Skylar ist sympathisch, eine durch und durch bodenständige Persönlichkeit, mit der man sich als Leser herrlich leicht identifzieren kann. Gerade während ihrer Zeit als Obdachlose fiebert man extrem mit ihr mit und wünscht ihr von Herzen nur das Beste. Doch auch danach behielt sie mein Herz fest im Griff. Ich konnte gut mit ihr mitfühlen, empfand ihre Emotionen und ihre Gedanken als sehr authentisch und ihre Art und Weise als äußerst lebendig. Lediglich manche Handlung fällt doch etwas sehr dramatisch aus – was nötig ist, um die Geschichte am Laufen zu halten und die Plots umzusetzen, mir persönlich aber nicht 100% zusagte. Nichts desto trotz ist Skylar die ideale Besetzung für „Fallen Dreams“ und macht die Handlung erst so richtig perfekt. Doch auch Killian erzielt genau die richtige Wirkung. Anfangs wirkt es unheimlich schroff, sehr egoistisch und nur wenig nahbar. Erst im Laufe der Zeit dürfen wir auch einen Blick hinter die Fassade werfen und erkennen, warum er so ist, wie er ist. Dabei sind seine Beweggründe wirklich überraschend und sein bisheriges Leben alles andere als einfach. Durch seinen Job erhält er zusätzliche interessante Aspekte, weil es definitiv Spaß macht, mal hinter die Kulissen zu blicken in der Branche. Vielleicht hätte ich mir da noch ein wenig mehr davon erhofft, doch alles in allem gefiel mir Killian trotzdem unglaublich gut. Er war sympathisch, authentisch und ein wirklich attraktiver Kerl, den man auch als Leser gern mal anschmachtet. Er trug sein Herz definitiv am rechten Fleck und bewies immer wieder Charakterstärke und Rückgrat und war so einfach das perfekte Gegenstück zu Skylar. Der letzte, positive Punkt in meiner langen Liste an positiven Punkten sind die Nebenfiguren. Jeder einzelne erhielt von Samantha Young eine gehörige Portion Einzigartigkeit. So war allein Autumn schon eine Persönlichkeit, die man binnen sekunden tief ins Herz schließen musste. Mit ihrer lebenfrohen und aufgeweckten Art brachte sie eine Menge Abwechslung ins Spiel und lockerte die Szenen immer wieder auf. Doch selbst hinter ihr verbarg sich eine Geschichte, die ausreichend Raum erhalten hatte, um sich zu entfalten und Autumn noch mehr Tiefe zu verleihen. doch neben all den positiven Ausstrahlungen, gab es auch 2-3 Figuren, denen die Abneigung von der ersten Seite an gewiss war. Diese 2-3 Leute waren derart schrecklich, dass jeder Auftritt von ihnen allein schon für Herzrasen sorgte. Aber – und das ist wiederum sehr positiv: Die Autorin hat auch diesen Leuten ihren Platz gelassen, um sich auszuleben und das wiederum brachte Abwechslung. FAZIT: „Fallen Dreams“ von Samantha Young war wieder einmal wunderbare Unterhaltung. Die Geschichte rund um Skylar und Killian war ebenso spannend wie emotional und einfach mal etwas Neues im Bereich der Rockstar-Romanzen. Durch sehr lebendige und somit authentische Figuren und einen sehr atmosphärischen Schreibstil kann man sich bedingungslos mit Haut und Haaren in die Handlung fallen und von ihr mitreißen lassen. Lediglich das ein oder andere kurzzeitige Drama war mir dann doch eine Spur zu viel, sodass es am Ende nicht ganz fürs Highlight reichte. Trotzdem war es ein absolutes Erlebnis – wodurch es eine 100%ige Lese-Empfehlung für alle Rockstar-Lover und die, die es noch werden wollen, gibt.

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