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Fina

Posted on 6.11.2020

Gestaltung: Mich spricht das Cover von "Für einen Sommer unsterblich" wegen seiner knalligen pinken Farbe durchaus an, allerdings habe ich als Jugendbuchliebhaberin tatsächlich gar nicht damit gerechnet, dass im Fischerverlag direkt, also außerhalb vom FJB Programm, auch Bücher für Jugendliche und junge Erwachsene erscheinen. Die Aufmachung wäre mir wahrscheinlich im Katalog nicht unbedingt ins Auge gesprungen, weil sie der typischen Frauenroman Optik entspricht, aber dafür verbirgt sich zwischen den Seiten eine Geschichte der ganz besonderen Art. Darum geht's: Claudes Welt gerät vollkommen aus den Fugen, als ihre Eltern ihr eröffnen, dass ihr Vater die Familie verlassen wird. Ihre Mutter flieht mit ihr auf eine Insel vor der Küste Georgias, auf der ihre Vorfahren gelebt haben. Entgegen aller Erwartungen verbringt Claude den Sommer ohne ihren Vater, ihre beste Freundin Saz und den süßen Typen aus ihrer Highschool. Mit diesem Gefühlschaos muss Claude erst mal klar kommen und kann der Insel erst mal gar nichts abgewinnen, bis Miah ihr die Insel aus einem neuen Blickwinkel zeigt und dabei nicht nur die Insel Claudes Herz erobert... Idee/Umsetzung: Auf den ersten Blick klingt die Geschichte in meinen Augen erst mal ziemlich 0815. Ich habe bereits so einige Jugendbücher gelesen, in denen sich die Eltern trennen oder die Protagonistin plötzlich widerwillig woanders hinziehen muss. Auch die "geheimnisvolle" Insel, die nach und nach zu einem besonders schönen Schauplatz für eine Sommerromanze wird, dürfte vielen bekannt sein. Deshalb muss ich gestehen, hat mir das erste Drittel des Buches auch eher mittelmäßig gefallen. Jennifer Nivens Schreibstil ist locker, leicht und ich konnte die Seiten einfach weglesen, aber das Besondere an der Geschichte hat mir erst mal gefehlt. Ab da wurde es allerdings spannend und ich mochte die Entwicklung der Geschichte sehr gerne. Claude kämpft auf sehr anschauliche Weise mit dem Gefühlschaos, das Miah bei ihr hinterlässt, aber auch die Trennung von Freundin Saz, die Entscheidung ihres Vaters und das Verlassen ihrer Heimat Ohio machen ihr zu schaffen. Jennifer Niven hat hier bewiesen, dass sie einen sehr feinfühligen Schreibstil beherrscht, durch den ich detaillierte Einblicke in Claudes Gedanken- und Gefühlswelt bekommen habe und mich ihr so sehr nah gefühlt habe. Auch, wenn ich schon etwas älter bin, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass das Buch Jugendlichen in einer ähnlichen Situation helfen kann, die Trennung der eigenen Eltern ein Stück weit nachvollziehen zu können und sich weniger allein zu fühlen. Figuren: Das Herzstück dieser Geschichte sind definitiv die verschiedenen Figuren, die voller Leben sind. Allen voran ist Claude eine sehr beeindruckende Protagonistin, die ich für ihre starken und schwachen Momente gleichermaßen geliebt habe, genauso wie für ihre immense Entwicklung innerhalb der Geschichte. Die Autorin zeigt sehr schön, mit welchen Zweifeln Jugendliche in Claudes Alter zu kämpfen haben, und viele Themen wie das erste Mal, die erste Liebe und das Erwachsenwerden werden aufgegriffen. Wen ich außerdem besonders gerne mochte, war Saz und auch Claudes Mutter. Ich muss sagen, dass mir die Beziehungen zwischen Claude und ihrer Mutter und Claude und Saz fast besser gefallen haben als die Liebesgeschichte mit Miah. Ich finde es toll, dass wir hier eine sehr besondere Mutter-Tochter Beziehung miterleben können und wie diese durch die Trennung der Eltern auf die Probe gestellt wird, ebenso wie die Frage, was passiert wenn die beste Freundin in einer Partnerschaft ist und sich die Freundschaft verändert. Die Liebesgeschichte zwischen Miah und Claude fand ich anfangs eher süß, zum Ende der Geschichte hin bekommt ihre bis dahin gereifte Beziehung aber auch ernste Töne und hat einen Gewissen Abschiedsschmerz in mir ausgelöst. Prinzipiell geht mir die Entwicklung der Beziehung zwischen den beiden aber leider viel zu schnell, wenn man bedenkt, dass sie nur einen Monat miteinander verbringen... Das Ende hat mich wehmütig gemacht, da ich irgendwann so in der Geschichte drin war, dass ich die Insel am liebsten ebenso wie Claude gar nicht mehr verlassen wollte. Die Autorin findet so schöne Landschaftsbeschreibungen, dass ich große Lust habe, auch einmal die Natur einer solchen Insel zu genießen und mich vom Alltagsstress in der Stadt zu verabschieden. Das Ende ist recht offen gehalten, was mir persönlich in Anbetracht der Botschaft des Buches sehr gut gefallen hat. Fazit: Was auf den ersten Blick für mich wie eine eher klischeehafte Jugendbuchlektüre klang, wurde mit der Zeit zu einer sehr emotionalen Geschichte über die erste Liebe, das Erwachsenwerden, Freundschaft und Familie. Mit dem Setting einer zauberhaften Insel habe ich Claudes Geschichte immer mit großer Freude, aber auch etwas Wehmut verfolgt und kann das Buch insbesondere jüngeren Leser*innen empfehlen, die sich in den Themen der Trennung der Eltern, Zukunftsangst oder der ersten Liebe wiederfinden.

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