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patricianossol

Posted on 16.10.2020

Das Cover fiel mir im Buchladen ins Auge. Der Klappentext lässt auf eine humorvolle Geschichte voller Emotionen hoffen. Genau mein Ding. So lerne ich die 31jährige Casey kennen, die nicht nur den plötzlichen Tod ihrer Mutter verarbeiten muss, sondern auch die Trennung von ihrem Freund Luke. Casey geht nach Boston. Mit einem Schuldenberg im Gepäck jobbt sie als Kellnerin. Verzweifelt versucht sie dem Strudel der Abhängigkeit zu entkommen. Dabei gerät sie immer wieder an die falschen Männer. Einziger Lichtblick in ihrem Leben ist das Schreiben. Seit nunmehr 6 Jahren arbeitet sie an ihrem Roman und träumt davon, ihn eines Tages zu veröffentlichen. Ich kann gut nachempfinden, wie schwierig es für Casey ist, einen Ausweg aus ihrer Lebenskrise zu finden. Die Mutter fehlt als Ratgeber. Wie der Buchtitel bereits ankündigt, gibt es eine Reihe „Lovers“ in ihrem Leben, doch die Trennung von Luke ist nur schwer zu verarbeiten. Interessiert verfolge ich Casey’s Schreiballtag. Schnell wird klar, wie arbeits- und zeitintensiv, aber auch wie erfüllend, diese Tätigkeit sein kann. Es ist erstaunlich, wie Casey alle Sorgen ausblendet, wenn sie an ihrem Roman schreibt. Ich spüre die Trauer, die sie umgibt, ihre innere Zerrissenheit und ihre Hoffnung auf ein anderes, ein erfülltes Leben. Dennoch finde ich kaum Zugang zu Casey, die hier als Ich-Erzählerin auftritt. In ihren Handlungen wirkt sie auf mich oft befremdlich. Abgesehen davon, habe ich mich mit dem Schreibstil der Autorin schwergetan. Der Einstieg ins Geschehen wirkt hölzern. Vielleicht liegt das auch an der Übersetzung. Lily King springt in den Szenen ständig zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her, was meinen Lesefluss hemmt. Mir fehlen die Spannungsmomente. Stellenweise quäle ich mich durch die Seiten. Erst im letzten Drittel erreicht mich die Geschichte. Dann geht darum, ob Casey ihren Roman zu Ende schreibt und ob er veröffentlicht wird. Ingesamt konnte das Buch meine Erwartungen nicht erfüllen. „Writers & Lovers“ ist ein hochgelobter amerikanischer Roman, der für mich eher zur Kategorie „solider Durchschnitt“ gehört.

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