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JulisTeestübchen

Posted on 9.10.2020

Die junge Nimue, deren magische Kräfte sie zur Ausgestoßenen in ihrem Dorf machen, muss eines Tages mitansehen, wie ihre Mutter, ihre Freunde und das gesamte Dorf durch die Hand der Roten Paladine in Flammen aufgehen. Mit ihren letzten Atemzügen vertraut ihre Mutter Nimue ein Schwert an, das sie umgehend zu Merlin bringen soll. Zunächst überfordert mit der Aufgabe - war Merlin für sie doch stets eine Märchengestalt - begibt sie sich auf eine beschwerliche Suche nach dem berüchtigten Magier. Der Söldner Arthur begleitet sie dabei und Seite an Seite müssen sie schließlich kämpfen, um ihr Volk vor den Roten Paladinen zu retten. Diese Neuinterpretation der Artussage stammt aus der Feder von Thomas Wheeler, der zugleich die Produktion der gleichnamigen Netflixserie verantwortet, die nach der Vorlage dieses Buches entstanden ist. Mir stellte sich beim Lesen jedoch früh die Frage: Was war zuerst da - das Drehbuch zur Serie oder der Roman? Der Erzähler des Romans ist allwissend und wechselt häufig - auch mehrmals innerhalb eines Kapitels - die Perspektiven. Mehrere Handlungsstränge laufen parallel aufeinander zu, was durchaus Spannung erzeugen kann, mich hier jedoch eher verwirrt und zum Teil gelangweilt hat. Spannendster Strang war klar der von Nimue, unserer Protagonistin. Das Buch las sich zwar nicht wie ein Drehbuch, denn durchaus tauchen wir als Leser in die Gedanken der Figuren ein und bekommen auch emotionale Regungen geschildert, dennoch war es mir als Roman einfach nicht rund genug. Mich begleitete stets das Gefühl, dass dieses Buch nur geschrieben wurde, um verfilmt zu werden. Ein gutes Buch zeichnet sich so für mich nicht aus. Unsere Protagonistin Nimue kam mir in der ersten Hälfte des Buches sehr unausgereift vor. Ich wurde mit ihr einfach nicht warm, ließen ihre Charakterstärken doch sehr lange auf sich warten. Das wurde zum Ende hin zum Glück jedoch besser. Etwas mehr Farbe hätten meiner Ansicht nach aber fast alle Figuren vertragen können. Für mich unerwartet: Auch eine Liebesgeschichte gibt es in diesem Roman. Für gewöhnlich lese ich gerne Fantasy, in der auch romantische Gefühle eine Rolle spielen. Hier jedoch passte es leider gar nicht rein. Die taffe Nimue wirkt auf einmal gar nicht mehr so taff, wenn es um ihr Love Interest geht, und verliebt sich klammheimlich, ohne dass man es als Leser so richtig mitbekäme. Für mich war die Liebesgeschichte unausgreift, an den Haaren herbeigezogen und einfach viel zu sehr gewollt. So als ob man dringend eine einbauen müsste, damit sich das Buch auch gut verkauft. Doch so passt es einfach gar nicht rein. Begleitet wird das Erzählte - wie vom Verlag stark angeworben - von Zeichnungen und Farbbildern des Comic-Zeichners Frank Miller, der u.a. auch die Batman-Comics gezeichnet hat. Für mich ist das jedoch nur viel Brumburium um nichts. Zunächst sind die Bilder schlecht platziert und zeigen Szenen, die erst viele Seiten und sogar Kapitel später passieren. Blättert man sie beim Lesen also auf, versteht man häufig nur Bahnhof, muss dann an späterer Stelle - wenn man sich denn an die Abbildung erinnert - zurückblättern oder wird zum Teil sogar leicht gespoilert. Auch der Zeichenstil scheint mir große Geschmackssache zu sein. Mein Geschmack ist es zumindest nicht. Die Zeichnungen sind sehr eckig und grob. Keine der Figuren kommt hier sonderlich hübsch daher. Für mich wären die Zeichnungen daher kein Kaufsargument. Doch auch Positives muss man dem Buch lassen: Viele bekannte Figuren der Artussage finden hier eine Rolle, auch wenn ich finde, dass die Geschichte wirklich sehr stark abweicht. Und zum Ende hin wird es auch so richtig spannend. Das Buch endet mit einem Cliffhanger, der einen 2. Band erwarten lässt. Es ist ein absolut offenes Ende, dass quasi mitten in einer Actionszene endet. Ein kurzer Epilog rundet das offene Ende noch ein wenig ab und gibt erste Aussichten auf Band 2. Diesen Band werde ich wohl jedoch nicht lesen und mir stattdessen eher die Serie anschauen.

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