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Fina

Posted on 3.10.2020

Gestaltung: Dieses Kinder- und Jugendbuch sieht einfach wunderschön aus. Rupert, wie er vor dem großen Tor des Rivers Anwesens steht, fasst die Handlung des Buches sehr gut zusammen. Mir gefällt die Farbgestaltung ebenso wie die veredelten Elemente, da sowohl der Schriftzug des Titels als auch das Tor glänzen und mit den Fingern zu erspüren sind. Ich bin großer Fan solcher Details und bin der Aufmachung daher sehr verfallen. Das Buch spielt nicht nur im Winter, wie es der Schnee vermuten lässt, allerdings kann ich empfehlen, das Buch im Herbst oder Winter zu lesen, da es am besten zu der Stimmung im Winter passt. Darum geht's: Rupert und seine riesige Familie wohnen in dem armen Viertel einer kleinen Stadt. Seine Mutter ist Putzkraft, sein Vater arbeitslos und die Kinder bekommen kaum richtige Mahlzeiten, sodass alle ausgemergelt sind, frieren und Hunger leiden. Eines Tages im Winter kommt Rupert an dem Viertel der Superreichen vorbei und wird durch eine Verkettung seltsamer Umstände über das Tor einer Villa geschleudert und verbringt Weihnachten mit Familie Rivers. Auch nach diesem schicksalhaften Tag begegnet Rupert immer wieder den Familienmitgliedern dieser kuriosen, reichen Familie und erlebt so manches Abenteuer mit ihnen. Dabei lernt Rupert, was Reichtum alles bedeuten kann... Idee/Umsetzung: Ich fand dieses Buch aus vielerlei Gründen ansprechend und interessant. Neben der schönen Gestaltung hat mich die Thematik von arm und reich angesprochen, die in unserer Gesellschaft ja leider auch ein präsentes Thema darstellt. Die Autorin greift dieses Thema kindgerecht, aber dennoch schonungslos ehrlich und mit besonderer Fantasie auf. Schreibstil: In den Schreibstil konnte ich mich von Beginn an fallen lassen. Durch die winterliche Atmosphäre und das Weihnachtsfest habe ich es als "kuschelig" wahrgenommen und kann mir gut vorstellen, das Buch noch einmal in der Weihnachtszeit zu lesen. Vielleicht auch, weil Rupert und seine Situation, insbesondere aber sein gutes Wesen, mich an "Charlie und die Schokoladenfabrik" erinnert hat. Demnach ist der Stil altersgerecht, nicht zu kompliziert und zügig zu lesen, aber trotzdem besonders und atmosphärisch. Der Mittelteil war mir manchmal ein bisschen zu langatmig, aber alles in allem wurde ich gut unterhalten. Die ersten hundert Seiten waren insbesondere traurig, wegen Ruperts trostloser Lebenssituation, aber auch ein Stück weit Hoffnung spendend und das Weihnachtsfest regelrecht magisch. Was bis dahin absolut normal wirkte, wird danach etwas verrückt und abgedreht. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Wendung den jüngeren Kindern gut gefallen wird, Stichworte sind: Zeitmaschine, Glitzersalat und Entführung. Es wird sehr turbulent, manchmal war es mir schon ein bisschen zu sonderbar, aber generell fand ich diese Idee erfrischend. Die fantasievollen Elemente ziehen sich bis zum Ende des Buches und geben der Geschichte das gewisse Etwas. Die Thematik der großen Kluft zwischen arm und reich wird hier humorvoll, ironisch und überspitzt behandelt. Ich habe für die Mitglieder der Rivers Familie viel Wut empfunden, da sie Ruperts Lage einfach nicht einzuschätzen wussten und ihn mit ihren sonderbaren Problemen behelligt haben, statt dem Jungen wenigstens eine anständige Mahlzeit anzubieten. Ich glaube, dass so eine Blindheit oder auch bewusste Ignoranz vor den Problemen der Welt und anderer Leute in der Realität ebenso existiert und das hat die Autorin hier großartig eingeflochten. So herzensgut die Rivers es auch mit Rupert meinten, letztendlich haben sie ihm eher Leid und Enttäuschung gebracht. Eine Botschaft, die für Kinder vielleicht nicht das erhoffte Happy End bringt, aber für die Erwachsenen Leser*innen aktuelle Probleme unserer Welt sehr anschaulich macht. Figuren: Die Figuren des Buches sind speziell. Rupert habe ich direkt ins Herz geschlossen, da er ein wunderbares Herz hat, sehr selbstlos ist und immer daran denkt, seine Familie zu unterstützen. Die Rivers sind einfach nur komplett verrückt, jeder auf seine Art verkorkst und deshalb manchmal sehr komisch. Die Charaktere leben von ihrem schrulligen Auftreten und dem wirren Zeug, was sie so reden. Manchmal kam mir Coraline als Vergleich in den Sinn, wo die Figuren ja ebenso verrückt sind und Realität und Fantasie miteinander verschwimmen. Das ist hier auch der Fall. Der Autorin ist es gelungen, die Figuren sehr individuell zu zeichnen und in mir einen bunten Mix aus Gefühlen zu erzeugen. Für Kinder und Erwachsene gleichermaßen etwas Besonderes. Ende: Das Ende der Geschichte und die Botschaft, die ihr natürlich alle selber lesen sollt, fand ich sehr gelungen. Es ist am Ende nicht wider erwartend alles in Butter und alle Probleme gelöst, aber es gibt ein Umdenken bzgl. der Thematik von arm und reich und Rupert beendet seine Reise mit neuen, wichtigen Erkenntnissen für sein weiteres Leben. Das Ende stimmt einen nicht unbedingt glücklich, regt aber zum Nachdenken an und hinterlässt ein bisschen Wut im Bauch und ein bisschen Sehnsucht, Ruperts Geschichte weiter verfolgen zu können. Fazit: Dieses Buch ist eine absolute Empfehlung für die kalte Jahreszeit. Ruperts Geschichte ist ebenso herzerwärmend wie düster, hält einige verrückte Überraschungen bereit und stellt sehr schön dar, wie die Welten von arm und reich aufeinanderprallen. Realität und Fantasie sind hier nicht immer klar voneinander zu trennen, was den Charme des Buches ausmacht und für eine Prise Magie sorgt. Ob das Buch auch jüngeren Leser*innen ab 9 gefallen würde, kann ich nicht einschätzen, aber ich empfinde das Buch als All-ager, an dem jede*r Träumer*in seine/ihre Freude hat.

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