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Bibliaphilia

Posted on 5.8.2020

Inhalt „Natürlich möchte ich wie sie sein. Sie sind unsterblich. Cardan ist der Schönste von allen. Und ich hasse ihn mehr als den Rest. Ich hasse ihn so sehr, dass ich manchmal, wenn ich ihn ansehe, kaum Luft bekomme…“ - HOLLY BLACK Als Kind wurde Jude zusammen mit ihren Schwestern in das Reich der Elfen verschleppt. Aufgewachsen unter der Obhut eines Mannes, der vor ihren Augen ihre Eltern ermordet hat, und von den anderen Elfen für ihre Menschlichkeit gedemütigt, bezwingt sie mit allen Mitteln das Gefühl der Machtlosigkeit, das sie vor allem in Anwesenheit des grausamen Prinzen Cardan überkommt. Zehn Jahre nach ihrer Entführung geht es ihr lange nicht mehr darum, in der intriganten Welt der Elfen zu überleben, sondern sich zu beweisen und eine mächtige Position am Hof des Elfenkönigs zu erkämpfen. Egal welche Grenze sie dafür überschreiten muss… Meine Meinung Ich hatte im Vorfeld viel Gutes über dieses Buch gehört, deswegen war ich umso enttäuschter als mir der Einstieg schwer gefallen ist. Der Schreibstiel von Holly Black ist zumindest in der deutschen Übersetzung sehr simpel und die Welt der Elfen für meinen Geschmack nicht ausgereift genug, um mich zu überzeugen. Deutlich wird die Geringschätzung, die die meisten Elfen den Menschen entgegenbringen und ihr intrigantes und brutales Wesen. Über das Verhältnis zur Menschenwelt erfährt man allerdings nicht viel, obwohl sich in diese problemlos überwechseln lässt. Ich finde es merkwürdig, dass die als so überlegen dargestellten Elfen im Verborgenen leben und sich mit gelegentlichen Entführungen begnügen, wenn sie sogar die Fähigkeit besitzen, den Willen von Menschen zu manipulieren. Auch über die Lebensweise erfährt man nicht mehr, als dass sie eine monarchische Regierungsform haben, im Kampf ausgebildet werden und berauschende Feste feiern. Der Großteil der Handlung in der ersten Hälfte des Buches findet in einer Schule am Hofe statt, die Jude und ihrer Zwillingsschwester als einzige Menschen besuchen dürfen. Das Fantastische der Elfenwelt, wird dem Leser dadurch eigentlich nur durch Beschreibungen ausgefallener Reittiere in Erinnerung gerufen. Jude als Protagonistin ist mir nicht sympathisch geworden, aber ich finde sie interessant und konnte ihre Entwicklung nachvollziehen. Durch die Verachtung, die ihr entgegengebracht wird, hat sie genau die Eigenschaft abgelegt, die sie neben der Fähigkeit zu Lügen von ihren Peinigern unterscheidet, ihre Menschlichkeit. Ihr Wunsch, nicht länger machtlos und unterlegen zu sein, steht für sie über allem und macht sie zunehmend gefühlskalt. Dadurch dass die Geschichte aus ihrer Perspektive erzählt wird und sie keine engen Beziehungen zu anderen Charakteren zulässt, erfährt man nur leider über deren Bewegründe und Gedanken zu wenig. Beispielweise hätte ich gerne mehr über ihre Zwillingsschwester Taryn erfahren, die sich ihren Platz in der Elfenwelt mit einer anderen Strategie als ihre Schwester erkämpfen will, nämlich durch eine Heirat. Was ich nicht ganz nachvollziehen konnte war für mich, dass Jude ihren Hass auf den jüngsten Elfenprinzen Cardan fokussiert. Zwar glaubt sie, dass er hinter vielen Anschlägen auf sie steckt, allerdings ist er die meiste Zeit über passiv und sie selbst sucht die Konfrontation. Meine Abscheu haben vielmehr andere Elfen geweckt. Die Leidenschaft zwischen Cardan und Jude gegen Ende des Buches, konnte mich nicht erreichen, da sie fast ausschließlich auf Demütigung und Dominanz basiert. Ich bin gespannt, in welche Richtung sich ihre Beziehung im Folgeband weiterentwickelt. Den zweiten Teil werde ich trotz der genannten Kritikpunkte lesen, weil die Intrigen am Elfenhof, in die sich Jude zunehmend verstrickt zum Ende hin immer zentraler und komplexer wurden. In dieser Hinsicht konnte mich das Buch definitiv überzeugen, hin und wieder schocken und überraschen. Ich hoffe, dass sie im Folgeband noch stärker im Vordergrund stehen.

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