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sinnesgleich

Posted on 15.7.2020

In ,,Ich fühl´s nicht" widmet sich Liv Strömquist der Frage wieso heutzutage so viele Beziehungen scheitern. Liegt es vielleicht am Spätkapitalismus und der Neigung unserer Konsumgesellschaft zum Narzissmus? Sind wir anspruchsvoller und wählerischer auf der Suche nach der wahren Liebe geworden? Oder liegt es einfach in unserer Natur? Strömquist zieht zur Erklärung nicht nur verschiedene Philosophen*innen wie Byung-Chul Han oder Eva Illouz, sondern auch bekannte Persönlichkeiten wie Lord Byron oder Beyonce heran. Aufhänger für das Comic ist dabei der datefreudige Leonardo DiCaprio, der mit seinem Liebesleben bereits die ein oder andere Schlagzeile gemacht hat. Wie gewohnt würzt Strömquist dabei ihre urkomischen Zeichnungen mit viel Sarkasmus und jeder Menge Humor. Dabei macht sie etwas, was man zunächst vielleicht nicht erwarten würde: sie kritisiert die Therapiekultur, unseren Selbstoptimierungswahn und unsere Fetischisierung gesunder Beziehungen. Nicht nur, dass wir unsere Partner heute wie eine Ware im Geschäft auswählen, nein wir scheinen hinter der perfekten, ausbalancierten und idealisierten Partnerschaft hinterher zu sein wie der Teufel in der Not den Fliegen. Eifersucht? Leid? Schmerz? Das alles sind Dinge die wir konsequent völlig aus unserem Liebesleben auszuradieren versuchen. Dabei gehören all diese Facetten zu einer echten Beziehung dazu. Aber in einer Zeit, in der die Angst verletzt zu werden größer zu sein scheint als alles was die Erfahrung einer wahren Liebe zu bieten hat, passiert vor allem eines in unseren Beziehungen: wir fühlen´s einfach nicht so richtig. Was ich an Strömquists Comics schätze ist, dass sie niemals behauptet ihre Interpretationen und Ansichten seien einzig wahren Betrachtungen. Immer wieder weißt sie daraufhin das sie Dinge verallgemeinert sind, es immer Ausnahmen gibt. Auch die Ausflüge in die griechische Mythologie, die Popkultur und die Zeit Lord Byrons haben mir wieder sehr gut gefallen. Liv Strömquist schafft es wichtige Themen auf lustige und intelligente Art zu vermitteln! "Ich fühl´s nicht" ist, genau wie ihre anderen Werke, für jedermann geeignet und absolut zu empfehlen!

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