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patricianossol

Posted on 13.6.2020

Auf Empfehlung einer Lesefreundin habe ich Buchautorin Michelle Marly für mich entdeckt. Mit ihren beiden biografischen Romanen „Mademoiselle Coco“ und „Madame Piaf“ konnte sie mich bereits fesseln. Neugierig erwartete ich ihren neuen Roman „Die Diva“, der im Februar 2020 beim Aufbau Verlag erschienen ist. Wieder ist das romantische Buchcover ein Hingucker, der perfekt in die Verlagsserie „Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe“ passt und zum Schmökern einlädt. Maria Callas ist eine der bedeutendsten Sopranistinnen des 20. Jahrhunderts und offenbar auch eine sehr emotionale, gefühlvolle Frau auf der Suche nach Liebe und Erfüllung. Die Geschichte beginnt in Venedig im Jahre 1957, als Maria Callas Aristoteles Onassis beim Herbstball der Filmfestspiele erstmals begegnetet. Zu diesem Zeitpunkt ist die Diva, die von Kindesbeinen an von ihrer Mutter zum Singen getrimmt wurde, auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Doch ihre Stimme droht zu versagen. Sie sehnt sich nach Ruhe, braucht eine Auszeit. Aber ihr Ehemann und Manager Meneghini drängt Maria immer wieder zu neuen Arrangements, gönnt ihr keine Pausen. Leider ist er auch als Verwalter ihrer Einnahmen eine Fehlbesetzung. Schon beim ersten Treffen stellen die beiden fest, dass sie auf einer Wellenlänge sind und sie mehr als nur ihr Herkunftsland miteinander verbindet. Es funkt gewaltig. Maria und Aristoteles verlieben sich ineinander, trennen sich von ihren Ehepartnern und leben zusammen bis Jackie Kennedy den Platz an Aristoteles Seite für sich beansprucht. Bei Lesen der ersten Kapitel wurde mir klar, dass sich die Autorin intensiv mit der Lebensgeschichte der Callas auseinandergesetzt hat. Ihr umfangreiches Faktenwissen hat sie für eine beeindruckende biografische Interpretation genutzt, die mir sehr gut gefällt. Michelle Marly lässt Maria Callas für mich lebendig werden. Ich sehe nicht nur die große Künstlerin vor meinem geistigen Auge, die Perfektionistin auf der Bühne, die in den Schlankheitswahn verfällt um ihrem Idol Audrey Hepburn zu ähneln, sondern auch die emotionale Frau, die sich von ihren Gefühlen lenken und leiten lässt. Die Story ist mit viel Zeitkolorit untermalt, mit authentisch wirkenden Charakterdarstellungen bestückt und wird in zwei Zeitebenen erzählt. Da ist zum einen die Phase um 1957, in der sich die Beziehung zwischen Maria Callas und Aristoteles Onassis entwickelt. Ein zweiter Erzählstrang blickt in die Jahre 1968/69, in denen Maria von ihrem Ari getrennt lebt und von einer tiefen Traurigkeit befallen ist. Ich leide mit ihr und kann ihre Verletztheit nachempfinden. Die Geschichte reißt mich mit. Es fällt mir schwer, den Roman aus den Händen zu legen. Intelligent ausgearbeitete, unterhaltsame Romanbiografie voller Leidenschaft und starker Emotionen, sie mich begeistert hat.

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