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frida

Posted on 13.6.2020

Dear Evan Hansen - Val Emmich Ich war lange nicht mehr so zwiegespalten. Dieses Buch war nicht langweilig, aber auch nicht fesselnd. Ich musste mich oft zum Lesen zwingen und hätte das Buch abgebrochen, wenn es kein Rezensionsexemplar gewesen wäre. Dear Evan Hansen ist sehr angenehm geschrieben, sehr lustig und ein bisschen kindlich, aber auch mit einer gewissen Poesie und Einfachheit. Es war nicht so, dass man die ganze Zeit gedacht hat „Komm schon Evan, sag es einfach“. Ich kann verstehen, wieso er es so oft aufgeschoben hat. Dieses Buch hat so viele Fragen aufgeworfen. Wieso schreibt man überhaupt so eine Geschichte? Sie ist weder schön noch lehrreich. Was wäre bei diesem Buch ein Happy End? Ist es bei Dear Evan Hansen überhaupt ein Happy End, wenn Evan mit der Wahrheit rausrückt? Wie ist Evan? Evan hatte sehr wenig Charakter, nichts, was für ihn typisch gewesen wäre, abgesehen von seiner Feigheit. Zu jedem anderen Buchcharakter könnte ich mindestens drei Eigenschaften aufzählen, die ihn ausmachen und für die Handlung verantwortlich sind. Bei Evan wäre es nur die Feigheit, die ich benennen könnte. Evan hat oft von seiner Unscheinbarkeit geschrieben. Einem Außenseiter schreibt man oft zu, dass sie viel beobachten und so hat Evan am Anfang auch gewirkt, aber wieso hat er dann so viele Leute von seiner Schule gar nicht bemerkt? Ist das nur ein Klischee, das Außenseiter viel beobachten? Zoe hatte auch nicht sonderlich viel, dass sie ausmacht; ja, sie singt, spielt Gitarre und schreibt Songs und war oft genervt von ihrem Bruder, aber sonst … Auch bei Jared hat es gewirkt, als hätte sich der Autor nicht entscheiden können, wie Jared sein soll. Für mich hatte er einerseits immer diesen Ich-bin-zu-cool-für-dich-Charakterzug, andererseits hatte er keine Freunde, wie sich am Ende rausgestellt hat. Wenn er wirklich keine Freunde hatte, wieso war er dann beliebt und wieso hat er nichts mit Evan gemacht. Zwischendurch gab es Kapitel, die aus Connors Sicht erzählt wurden, was ich einerseits sehr interessant fand, auf der anderen Seite aber auch irgendwie seltsam, wenn man darüber nachdenkt, dass Connor sich selbst umgebracht hat. »Dieses Haus brennt. Das ist mein Werk. Ich hab es angezündet. Sowas habe ich nicht gewollt. Ich wollte ihnen nur helfen.« Dieser Textausschnitt beschreibt das Buch so gut, aber Evan hat nicht nur das Haus angezündet; die ganze Welt steht wegen ihm in Flammen. Das Cover gefällt mir echt gut, der Bezug zur Geschichte, den auch der Titel hat. Ich hatte wegen des Hypes hohe Erwartungen an das Buch, die leider nicht erfüllt wurden. Der Schreibstil und die Komik der Situationen haben mir manchmal ein Lächeln ins Gesicht gezaubert, auch wenn ansonsten nur viele Fragen aufgeworfen wurden. 2/5 Sternen

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