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Susanne Matiaschek

Posted on 21.5.2020

“Auf einer Skala von 1 bis 10” ist kein leichter Roman, den man mal eben so nebenher verschlingen kann. Es ist eine düstere, schmerzliche und doch in gewisser Weise auch eine heilende Reise zu Tamars Seele und ihrem Sein. Ceylan Scott schreibt sehr eindringlich, ruhig und sanft. Aber auch sehr schonungslos über ernste Themen, wovor man lieber die Augen verschließt. Depressionen, ist nur ein kleiner Teil dessen. Oft belächelt, nicht ernst genug genommen und genau, dass ist das Fatale daran. Denn so leicht kann man tiefer gleiten, ohne das es unserem Umfeld bewusst ist. In diesem Roman geht es um Tamar und ihre Geschichte. Ich durfte sie begleiten auf ihrer Reise und bin oft verzweifelt, war so hin- und hergerissen. Zwischen meinen Gefühlen und meinen Gedanken, diesem jungen Mädchen gegenüber. Tamar ist auf der einen Seite so unglaublich stark, aber auf der anderen Seite auch so gebrochen und verletzlich. Mit sehr viel Einfühlungsvermögen zeigt uns die Autorin, was in ihrem Inneren vor sich geht. Was sie denkt und fühlt. Wie tief die Dunkelheit reicht und worin sie mündet. Wie tief die innere Zerrissenheit und Schuld geht und wie lange es dauert, zu sich selbst zurückzufinden. Ein Weg der von viel Schmerz, Wut und auch Zerrissenheit begleitet wird. Und daneben lernen wir auch weitere Charaktere in Lime Grove, der Jugendpsychiatrie in der Tamar ist, kennen. Man begreift das jeder anders ist und ja vielleicht, sieht es für den Außenstehenden nicht so dramatisch aus. Aber was wissen wir schon? Wir können uns jedoch hlneinfühlen und vielleicht viel intensiver mit den Problemen der Jugendlichen auseinandersetzen. Für mich war dieser Roman, sehr drückend und schwer. Gerade am Anfang war es unglaublich schwer, Zugang zu den Charakteren zu finden. Mit der Zeit gelang mir dies recht gut. Aber die Emotionen kamen leider nicht gänzlich bei mir an. Was ich schade finde. Bis zu einem gewissen Punkt ist das absolut nachvollziehbar. Denn in Tamar befindet sich ein Graben, eine Leere und Einsamkeit, die einfach nicht genug Emotionen zulässt. Ich finde die Thematik unfassbar wichtig, denn es erzählt so viel , bringt zum nachdenken und rüttelt auf. Leider konnte mich die Story emotional gesehen einfach nicht gänzlich erreichen. Interessant ist hier tatsächlich, das man immer abwechselnd in “Vorher” und “Jetzt” eintaucht. Durch diese verschiedenen Zeitebenen, kommt man dem Kern der Geschichte immer näher und begreift doch, wie sehr dies etwas in Tamar verändert. Wie sehr diese Frage von Schuld und Unschuld, sie ihrer Lebenslust beraubt hat und wie sehr sie dadurch auch gewachsen ist. Was tatsächlich Iris’ Tod zugrunde liegt, hat mich sehr erschüttert und einfach tieftraurig zurückgelassen. Denn das ist es, was mir hier einfach noch gefehlt hat. Mehr von Iris und ihrem Leben. Fazit: “Auf einer Skala von 1 bis 10” ist ein sehr schonungsloser, aufrüttelnder und eindringlicher Roman über Themen, die viel öfter an die Oberfläche gelangen sollten. Ein Roman der vor allem mit Authentizität und absolut greifbaren Charakteren punktet. Ich fand es fast perfekt. Denn leider gab es trotz großartigem Kern, trotz allem Schwachstellen. Mir sind Emotionen unglaublich wichtig, aber genau das kam mir hier etwas zu kurz.

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