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Lichti

Posted on 20.4.2020

14.000 Euro. Eine Kurzschlussreaktion. Ein fremder Junge im Fluchtauto. Man könnte sagen, für Richie ist es schon einmal besser gelaufen im Leben, aber eigentlich wäre das für ihn auch zu hoch gegriffen. Was im besten Fall nur wie eine undurchdachte, im schlimmsten wie eine fällig missglückte Flucht aussieht, entwickelt sich im Laufe der Geschichte zu einem wunderbaren Road-Movie, der zwischen Drama, Philosophie und Komik schwankt. Leon, der blinde Passagier und Richie, der unfreiwillige Entführer entwickelt eine interessante Freundschaft, die angenehm fern der bekannten Klischees vom Stockholm-Syndrom liegt, sonder auf der absurden Situation fußt, in die beide – mehr oder minder freiwillig – wieder finden. Dabei ist nicht immer ganz klar, wer der Erwachsene der Beiden eigentlich ist. Ich habe das Buch unfassbar gern gelesen. Der Schreibstil ist genial und hat mich vom ersten Wort an – und das habe ich wirklich selten! - in seinen Bann gezogen. Die Sätze sind teilweise einfach so wunderschön, dass ich innegehalten und sie mehrfach gelesen habe. Einfach, stilsicher und punktgenau. Die Geschichte ist nicht sehr lang, sie braucht es aber auch nicht sein, denn so kommt es nicht zu unnötigen Längen und bleibt realistisch. Ich konnte das Buch kaum weglegen, denn zu gern habe ich die beiden auf ihrer Reise begleitet und wollte mich in dieser Sprache verlieren. Zu beachten sei die Conten Warnung der Autorin. Die Entwicklung ist leider abzusehen, wobei sich das leider nicht auf die fehlende Spannung, sondern eben genau darauf bezieht: Man weiß, man fürchtet, was geschehen wird und hofft doch, dass man sich irrt. Es schmerzt und mich hat das Ende so hart getroffen, dass ich nur schwer meine Tränen zurückhalten konnte. Das Buch lässt einen nachdenklich zurück. Es greift Themen auf, die uns alle betreffen und schafft es, dass ich mein eigenes Leben kurz betrachtet habe. „Nur kurz leben“ ist ein Ausnahmewerk, was ich lieben und hassen gelernt habe – weil es schmerzt. Es ist eine absolute Empfehlung für jeden, der sich nicht sträubt, mit Richie und Leon mitzulachen und zu -leiden. Und vielleicht auch selbst einmal über sein Leben nachzudenken. Man kann nur hoffen, dass die Autorin noch weitere Werke in unsere Hände entlässt!

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