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patricianossol

Posted on 6.4.2020

Das Buchcover ist ein Blickfang und weckt Interesse an der Lebensgeschichte der faszinierenden Künstlerin, die man „Die Königin von Berlin“ nannte. Wie wurde sie zur Muse von Bertolt Brecht? Charlotte Roths Roman ist beim Droemer Verlag im März 2020 erschienen. Schon als junges Mädchen will Karoline Schauspielerin werden. Nach dem Schulabschluss muss sie auf Wunsch ihrer Mutter eine Lehre in der Bank aufnehmen. Doch irgendwann hat Karoline genug von der Bevormundung, kehrt ihrer Familie den Rücken und arbeitet verbissen daran Schauspielerin zu werden. Für ihre Karriere ist ihr jedes Mittel recht. Sie nennt sich von nun an Carola Neher. Gekonnt setzt sie ihre Reize ein und verdreht dem einen oder anderen berühmten Mann den Kopf. Im Herzen allerdings bleibt Carola allein. Erst als Klabund in ihr Leben kommt, verliebt sie sich in den scheuen, zurückhaltenden Dichter, heiratet ihn sogar. Doch lange spielt Carola die Rolle der braven Ehefrau nicht, denn das wilde Leben und die Künstlerszene in Berlin sind zu verlockend. Außerdem bietet ihr Bertolt Brecht die Chance ihres Lebens. Mir gefällt die Idee, das Buch wie ein Theaterstück zu inszenieren. Originell finde ich auch die Szenenangaben aus Brechts Dreigroschenoper, die Charlotte Roth den Romanteilen vorangestellt hat. In ihrem Grußwort betont die Buchautorin, dass es sich nicht um eine Biografie Carola Nehers handelt, sondern um einen fiktiven Roman. Das Gelesene ist interessant und informativ. Allerdings wirkt der Erzählstil auf mich nüchtern und erinnert eher an ein Sachbuch. Ich spüre die Faszination der Autorin für Carola Neher, aber dieser Funke will auf mich nicht überspringen. Zwar beschreibt Charlotte Roth das schillernde Berlin der 1920er Jahre detailliert und authentisch, aber es fällt es mir schwer, eine Beziehung zu den Charakteren aufzubauen. Besonders unsympathisch kommt Brecht rüber. Es ist bekannt, dass er kein Kostverächter war, aber ich finde selbst als Schriftsteller kommt er in diesem Roman schlecht weg. Was ich von Carola halten soll, weiß ich nicht. War sie wirklich eine herausragende, talentierte Künstlerin? Sie kommt egozentrisch, karrieregeil und berechnend rüber. Ihren Erfolg erlangt sie nur mithilfe der ihr dienlichen Männer. Sie wirkt auf mich oberflächlich und befremdlich. Leidenschaft, Lebendigkeit und Spannung kommt mir in diesem Roman zu kurz. Die Story plätschert meist vor sich hin und reißt mich insgesamt nicht vom Hocker.

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