Profilbild von stinsome

stinsome

Posted on 3.4.2020

Als ich nach „36 Fragen an dich“ griff, erwartete ich eine süße Geschichte für zwischendurch. Das suggeriert sowohl das Cover als auch der Klappentext. Aber mein Interesse war auch durch das Thema geweckt: 36 Fragen sollten einen dazu bringen, sich in jemanden zu verlieben? Die Idee stammt nicht von der Autorin selbst, sondern entspringt einer echten Studie von Arthur Aron. Vicki Grant wusste nur, darin eine gute Story zu erkennen – um es mit ihren eigenen Worten aus der Danksagung zu sagen. Echte „The Big Bang Theory“-Fans werden sich vielleicht daran erinnern, dass die Studie auch dort aufgegriffen wurde – und tatsächlich kam mir deswegen die eine oder andere Frage schon bekannt vor. Die Idee finde ich wirklich absolut faszinierend, weshalb ich sehr auf die Umsetzung gespannt war. Zunächst war da aber erstmal Skepsis: Protagonistin Hildy gibt sich schon gleich zu Beginn als sehr gewöhnungsbedürftige, hibbelige Persönlichkeit zu erkennen, von der ich nicht wusste, ob ich mich mit ihr würde anfreunden können (konnte ich). Außerdem besteht das Buch hauptsächlich aus Dialogen, ähnlich einem Chatverlauf, selbst wenn sich die beiden gegenübersitzen. Nur hier und da lesen wir aus der Sicht einer Person: mal aus der Sicht des Doktoranden, der die Studie durchführt, mal aus Hildys Sicht, mal aus der Sicht einer … anderen Person. Damit musste ich mich erst einmal anfreunden, aber ich fand dann doch sehr schnell Gefallen daran, weil ich auch der Meinung bin, dass die Autorin diesen Erzählstil perfekt gewählt hat. Zu viel ausufernde Beschreibungen während der Beantwortung der Fragen wären auf Dauer einfach nur nervenaufreibend. Den ungebrochenen Schlagabtausch der beiden konnte ich ohne Störungen genießen. Mit Hildy und Paul treffen zwei sehr unterschiedliche Charaktere aufeinander, die dem jeweils anderen auch das eine oder andere Vorurteil entgegenbringen und deswegen hin und wieder überrascht werden. Wir erfahren erstaunlich viel über das Leben der beiden – mehr, als ich es tatsächlich erwartet habe – und werden in wichtigen Punkten bis zum Ende auf die Folter gespannt. Bis dahin können wir anhand einiger Andeutungen miträtseln, was genau in dem Leben der beiden vorgefallen ist, wodurch es sogar ein wenig spannend wird. Die Beantwortung der Fragen driftet immer in einen langen Schlagabtausch ab, den ich immer wieder genossen (und über den ich sogar oft genug gelacht) habe. So leicht, dass sie sich einfach ihre Antworten entgegenschleudern, machen sie es sich nicht. Dafür sind die Fragen einfach viel zu persönlich – und für uns als Leser dafür umso interessanter. Mich hat das Buch sogar ein bisschen zum Nachdenken angeregt und ich habe bei der einen oder anderen Frage überlegt, wie meine Antwort aussehen würde. Man muss dabei viel über sich preisgeben und, wenn man es so ernst nimmt wie Hildy und Paul (was am Anfang nicht so aussah), lernt man seinen Versuchspartner wirklich sehr gut kennen. Aufgrund dessen ging es mir bei den beiden auch überhaupt nicht zu schnell (im Gegenteil: bei den berührenden und ehrlichen Antworten, die sie teilweise aus sich herauskitzeln mussten, habe ich umso mehr mit ihnen mitgefiebert) und ich konnte gut verstehen, wie wir am Ende zu unserem Happy End kommen konnten. Am Ende hatte ich einen kurzen Schockmoment, den wahrscheinlich die meisten haben werden, in der Befürchtung, dass uns die Autorin eines wichtigen Momentes beraubt, aber … sie trickst uns ein bisschen aus. Ich bin jetzt einfach nur glücklich und zufrieden gestellt und werde die Bücher der Autorin im Auge behalten. Fazit Für mich handelt es sich bei „36 Fragen an dich“ um eine waschechte Überraschung. Ich habe (von einer Stelle abgesehen) das ganze Buch über gegrinst und hatte unglaublich viel Spaß dabei, ihre Schlagabtäusche zu lesen. Ein süßes Buch, das ich vielleicht sogar nochmal lesen werde. 4,5 Sterne gibt es von mir.

zurück nach oben