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gletscherwoelfchen

Posted on 31.3.2020

Als ihre beste Freundin Cassie bei einem Amoklauf ums Leben kommt, bricht für Helene eine Welt zusammen. Sie droht, in Trauer und Wut zu versinken. Ihre einzige Hoffnung ist, das Motiv des Täters zu finden. Und Erik - aber darf Helene mit dem Jungen glücklich werden, den Cassie einst liebte? Das Cover gefällt mir sehr gut. Die Schlichtheit passt hervorragend zum Klappentext, das Verschwimmen und ineinander Überlaufen der Motive schafft eine leicht melancholische Atmosphäre. In der Buchhandlung wäre ich vermutlich nicht daran vorbeigelaufen. Es sticht zwar nicht durch knallige Farben oder actiongeladene Motive heraus, sondern verzaubert durch seine besondere Einfachheit. Ebenso sehr hat mir der Schreibstil gefallen. Der Autorin gelingt es gleichzeitig Emotionen und eine gewisse Dramatik hervorzurufen, aber auch Spannung und Tiefe zu erzeugen. Und auch die Geschichte, die sich dahinter verbirgt, konnte mich voll und ganz überzeugen. Es werden Themen angesprochen, die oftmals gerne unter den Tisch gekehrt werden: Trauer(-bewältigung), Tod, Mobbing aber auch Freundschaft und Zusammenhalt in sehr schweren Zeiten. Berührt hat mich dabei vor allem die Echtheit der Geschichte. Nichts wird beschönigt oder kleingeredet, nichts scheint künstlich oder an den Haaren herbeigezogen. All die Erlebnisse, die sowohl Helene, aber auch andere leidende Familien verkraften müssen, hätten genau so auch in der Realität passieren können. Geschildert werden die Ereignisse ein wenig ungewöhnlich. Sie sind zweigeteilt in Gegenwart und Vergangenheit. Dabei werden sie aber nicht großartig auseinandergehalten, sondern laufen ineinander über, die Vergangenheit wird Teil der Gegenwart - "Bis die Zeit verschwimmt" eben. Ich hatte am Anfang einige Schwierigkeiten damit, beides auseinander zu halten. Aber ich vermute, dass das auch gar nicht das Ziel der Autorin war. Viel mehr habe ich es, gerade zum Ende des Buches hin, als stilistisches Mittel wahrgenommen, um die Gefühle und Gedanken der Trauernden besser verstehen zu können. Auch diese haben mich durch ihre Echtheit überzeugen können. Buchners Roman besteht aus den verschiedensten Persönlichkeiten, und jede hat ihre eigene Art, mit Trauer umzugehen. Sei es durch Wut, Abwechslung oder durch Vergessen. Mit einer bestechenden Ehrlichkeit wird der Leser gepackt und Mitgerissen. Dabei kann es - verständlicherweise - auch passieren, dass Charaktere dem Leser vollkommen unsympathisch oder unverständlich erscheinen. Aber ich schätze, auch das ist Teil des realen Lebens und trägt zur Wirkung des Romanes bei. Was mir ebenfalls weniger gut gefallen hat, ist der Epilog des Buches. Für mich war er einfach nicht notwendig und hat sich nicht mit dem Stil der übrigen Geschichte gedeckt. Nichtsdestotrotz fand ich das Buch alles in einem sehr gelungen und würde es jedem weiterempfehlen, der auf der Suche nach einem Jugendroman ist, welcher vor allem durch seine Ehrlichkeit und realitätsnahe Umsetzung überzeugt. 4,5/5 Sterne

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