Profilbild von Josie

Josie

Posted on 23.3.2020

Tod ist cool. Tod kennt sich aus. Er weiß, wie der Hase läuft. Tod macht keiner etwas vor. Nach Abermillionen von Jahren Evolutionsgeschichte hat er es nur einfach satt, der Buhmann zu sein, der keine Anerkennung für seine Arbeit erhält. Im Gegensatz zu seinen Kollegen, Leben, Schicksal, Glück und Zufall, leistet er schwerste Knochenarbeit. Er beschließt also, sein Image zu ändern und mit Zeit ein paar bessere Arbeitsbedingungen auszuhandeln. Während Tod uns so an seinen Anekdoten teilhaben lässt und sich durch den Blätterteig der Realitäten wühlt auf der Suche nach einem Schokoladendrops schwankt seine Erzählweise stets zwischen Sarkasmus und Zynismus. Herrlich! Was für ein Lesegenuss! In jedem verschachtelten Satz, jeder feinsinnigen Metapher und Redewendung ist das Herzblut der Autorin zu spüren. Dabei ist das Thema nun wahrlich kein leicht verdauliches. Immerhin geht es um den Tod. Und trotz der vielen, vielen amüsanten Stellen verliert die Geschichte nie an Ernsthaftigkeit. Es gibt einige Passagen, nach denen man sich als Mensch recht unbedeutend und klein fühlt. Die Betrachtungen über Werden und Vergehen rufen schon ein paar tiefgründige Gedanken über unser eigenes Dasein hervor. Aber so ist der Kreislauf nun einmal und der Tod ist, wenn wir diesem Buch Glauben schenken, eigentlich ein ganz sympathischer Typ. Das Einzige, womit ich Probleme hatte, ist die Formatierung des Textes. Manch einer mag es für eine liebevolle Gestaltung halten. Dem stimme ich bis zu einem gewissen Punkt sogar zu, die Sterne und gekreuzten Knochen vom Cover finden sich im Buch wieder. Das ist eine schöne runde Sache. Aber… abgesehen davon wird die Geschichte von zu vielen Zwischenüberschriften innerhalb der Kapitel unterbrochen. Es gibt zu viele Absätze, zu viele unterschiedliche Arten von Auflistungen, Fußnoten, die eigentlich nicht nötig sind, da sie nichts enthalten, das nicht auch in den normalen Fließtext gepasst hätte. Das alles zusammen stört den Lesefluss. Ich habe sehr häufig den Faden verloren. Die Geschichte an sich ist komplex genug. Da fand ich es schade, dass mich solche formellen Dinge vom Lesen abgelenkt haben. Trotzdem ist dieses Buch eine absolute Leseempfehlung! Wenn jemand schreiben kann und uns unbedingt mit weiteren Geschichten versorgen sollte, dann Sarah Adler!

zurück nach oben