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Peanut

Posted on 21.3.2020

Der Schreibstil ist flüssig und leicht zu lesen, wobei er alles andere als bildhaft ist. Das passt auch zum eher ruhigen Handlung. Diese wird abwechselnd aus der Sicht von Ava und Gideon erzählt. Das merkt man nicht nur am Schreibstil, sondern auch an der unterschiedlichen Gedankengängen und ich finde es gut umgesetzt. Beide sind einfach komplett unterschiedlich nach außen, auch wenn sich einige ihrer Gedankengänge durchaus ähneln. Der Handlungsverlauf ist eher langsam und ich finde es schön, wie sich die Beziehung der beiden Hauptprotagonisten mit der Zeit verändert. Es wäre einfach vollkommen unrealistisch gewesen, wenn das von jetzt auf gleich passiert wäre. Was ich schön finde ist, dass das Kintsugi(japanische Art um zerbrochene Keramik zu reparieren -> Risse werden mit Lack/Kittmasse(versetzt mit Gold-/Silber-/Platinpulver) aufgefüllt) verwendet wird um die Freundschaft der beiden zu beschreiben. Es ist eine schöne Metapher, welche auch auf dem Cover wieder zu finden ist. Bemerkenswert finde ich auch die gefühlvollen Gedichte, die wirklich gut ins Deutsche übersetzt wurden. Sie spiegeln Gideons Gefühlswert wieder. Ich finde es passt auch zu Gideon, dass er den Vorschlag mit den Briefen macht. Diese Briefe werden mit unterschiedlicher Schriftart im Buch abgedruckt und ich finde es schön, wie diese in die Handlung eingebaut wurden. Die Handlung schaukelt sich im Laufe immer weiter hoch und entlädt sich quasi gegen Ende. Mich hat das Ende definitiv überrascht, denn ich hatte mit etwas ganz anderen gerechnet. Trotzdem zeigt es auch, dass nicht immer alles so ist wie es scheint und das macht das alles nur noch realistischer und ergreifender. Oft habe ich das Buch auf Seite legen müssen, da es mich doch ziemlich mitgenommen hat. Fazit: Das Buch ist nichts für Leser, die durch Themen wie Depression, Selbstverletzendes Verhalten, Tod oder Suizid getriggert werden könnten. Obwohl ich aufgrund des Themenkomplexes anfangs eher skeptisch war, bin ich im Nachhinein froh dieses Buch gelesen zu haben. Die Autorin geht wirklich sensibel mit dem Ganzen um und es ist eine realistische und authentische Handlung. Es ist halt nicht alles rosarot, nur weil man sich in jemanden verliebt und das wird hier mehr als deutlich gezeigt. Jeder hat sein Päckchen zu tragen und genau das kann einen in den unpassendsten Momenten zum Verhängnis werden. Die Geschichte an sich ist unglaublich emotional und tiefgründig. Man merkt einfach wie überfordert die beiden sind und wie wenig sie ihre eigenen Gefühle unter Kontrolle haben. Vor allem das unerwartete Ende unterstreicht das alles noch, denn das zeigt einfach zu was einzelne Handlungen in emotionsgeladenen Situationen führen können. Im Gegensatz zu anderen Romanen mit dem Themenkomplex ist im Grunde alles andere dramatisch, was ich gut finde. Das Buch überzeugt einfach mit den vielen ruhigen und normalen Abschnitten und zeigt, dass der Fokus bei so etwas nicht zwangsläufig auf den Schattenseiten eines solchen Schicksalsschlages liegen muss. An sich regt es einfach zum Nachdenken an und zeigt, dass das Leben auch nach so etwas weiter geht.

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