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Posted on 16.3.2020

36 Fragen an dich baut als Roman auf die Idee eines Experiment von US-Psychologe Dr. Arthur Aron auf. Dabei geht es um die Theorie, dass sich zwei Menschen ineinander verlieben können, wenn sie die ausgewählten 36 ehrlich und gewissenhaft beantworten. Ich habe schon vor dem Roman von diesem Experiment gehört und fand die Vorstellung unheimlich spannend! Bei dem Roman an sich bin ich jedoch etwas hin und hergerissen. Die Geschichte ist in unterschiedliche Erzählweisen unterteilt. Zum einen gibt es Chat-Dialoge (Hildy: ... /Paul: ...) und zum anderen flüssige Passagen, die ausgeschrieben sind. Ich muss gestehen, dass ich es wesentlich besser gefunden hätte, wenn der gesamte Roman "ausgeschrieben" gewesen wäre. Man wird förmlich ins Buch geworfen und erhält durch die "nur"-Dialoge wenig Informationen zu den Figuren. Einige der Fragen werden praktisch übersprungen und der Sinn der Übung gerät dabei ziemlich aus dem Fokus. Trotzdem hat man schnell ein Gefühl für Hildy und auch Paul. Beide sind sehr gegensätzlich und streiten sich am Anfang viel - jedoch auf eine charmante Art und Weise, bei der klar wird, dass es zwischen beiden doch irgendeine Chemie gibt und nach und nach werden die beiden so etwas wie Freunde, was ich auch als glaubwürdig empfand. Die Liebesgeschichte an sich fand ich sehr süß und witzig gestaltet und ich habe auch an einigen Stellen echt gelacht! Man fliegt rasch durch die Seiten, zumal es wenige Beschreibungen gibt und das Ganze mehr Chat-Roman als alles andere ist. Je weiter die Figuren bei den Fragen kommen, umso deutlicher wird, dass beide ein großes Geheimnis in ihrem Leben haben. Das hat mich so neugierig gemacht, dass ich bis zum Ende lesen wollte. Zwischendurch gibt es immer wieder Passagen, die Hildys Leben ausführlicher zeigen und so lernt man ihre Freunde auch mal kennen. Insgesamt empfand ich vieles aber als sehr oberflächlich. Alles wird nur irgendwie angekratzt und nicht richtig zu Ende geführt. Im Buch gab es auch so einige Stellen, die ich echt furchtbar fand. Hier mal zwei Beispiele (ACHTUNG SPPOILER!). Hildy soll Paul 5 Komplimente machen und sagt ihm dabei er wäre ja so "männlich", dies wird begründet, in dem sie Dinge sagt wie "du bist eben ein echter Kerl" und es werden noch weitere Aussagen in diese Richtung getroffen ... ich persönlich empfinde so etwas immer als ziemlich unglücklich formuliert. Dass wieder mal ein hotter Kerl in einem Roman als "ach so männlich" und dadurch als attraktiv und begehrenswert dargestellt wird ist einfach so stereotypisch. Bedeutet im Umkehrschluss ja auch, dass alle anderen, die vielleicht keine Muskeln haben, coole Klamotten usw. eben "nicht männlich" sind. Ich finde echt, man sollte mal mit solchen Klischees aufhören. "Männlich" als Attribut für eine tolle Persönlichkeit zu nehmen ist nicht sehr sinnvoll - und erneut ziemlich oberflächlich! Paul hat außerdem ein Tränen Tattoo unter dem Auge - er hat es sich stechen lassen, als er 17 war, weil er glaubt am Autounfall, der zum Tod seiner Mutter führte Schuld zu haben. Das fand ich wirklich sehr unrealistisch, denn ein solches Tattoo lassen sich meist Mörder stechen, wenn sie jemanden umgebracht haben. Die Botschaft, das sei okay für einen Teenager, finde ich recht bedenklich ... (SPOILER ENDE). Fazit Insgesamt eine nette Geschichte für zwischendurch, die witzig und süß ist, jedoch auch so ihre Schwächen hat. Als Sommerlektüre für zwischendurch kann man gerne zu den "36 Fragen" greifen, denn man wird gut unterhalten. Allerdings hat die Story etliche Klischee, einige für mich umstrittene Botschaften und insgesamt ist sie sehr schnelllebig und ein wenig oberflächlich.

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