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Babscha

Posted on 9.3.2020

Großartig! Phänomenal! Mitreißend! Soweit meine spontane Empfindung, nachdem ich dieses aus tiefster skandinavischer Seele geschriebene wunderbare Buch zur Seite gelegt habe. Den Leser erwartet eine epische Erzählung von tiefer Liebe, von Familie, von Heimat, von Magie, aber auch von Bedrohung, von Angst, von Trauer und Verzweiflung, von unsäglichem Grauen. Domarö heißt die kleine Schäreninsel nördlich von Stockholm, auf der die Geschichte spielt. Alles beginnt damit, dass die kleine Tochter des jungen Anders und seiner Frau Cecilia während eines Ausflugs zur Nachbarinsel spurlos verschwindet. Zwei gebrochene Menschen bleiben zurück. Anders, innerlich zerstört und vom Alkohol gezeichnet, findet sich auch nach Jahren nicht mit seinem Schicksal ab und sucht verzweifelt weiter nach Anhaltspunkten, was damals wirklich passiert ist. Langsam, ganz langsam, offenbart sich ihm eine Welt, deren dunkle Vergangenheit ihre schwarzen Schatten immer deutlicher in die Gegenwart hinein schleudert. Mysteriöse, unerklärliche Dinge geschehen, alles steuert auf eine apokalyptische Katastrophe zu…… Aber da ist auch Anna-Greta, seine alte Großmutter, zentrale Lichtgestalt der Familie, eine bodenständige Frau mit Herz und Verstand und ihr langjähriger Lebensgefährte Simon, beide seit Jahrzehnten auf der Insel lebend und verbunden in tiefer Zuneigung. Sie sind der eigentliche zentrale Mittelpunkt des Romans, Anker und Ruhepunkt zwischen den schrecklichen Geschehnissen. In wunderbarer menschlicher Sprache werden deren vielschichtige Lebensgeschichten ausgebreitet, bis man sich den beiden irgendwann sehr nah und verbunden fühlt. Sehr geschickt und in einem fesselnden Handlungsstrang mit verschachtelten Zeit- und Handlungsebenen und vielen Überraschungen und Wendungen erfährt der Leser nach und nach die ganzen Wahrheiten über die idyllische Insel und ihre Bewohner, allesamt wenn auch nicht immer liebenswürdige, so doch interessant gezeichnete Charaktere. Ein toll geschriebenes, großes und vielschichtiges Werk, das nicht zuletzt durch die offensichtliche Verbundenheit des Autors mit den Menschen seines Landes und vor allem seine Hassliebe zum unergründlichen Meer besticht.

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