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nadines_buecher

Posted on 25.2.2020

Das Sachbuch ist nicht einfach zu lesen, erfordert Konzentration. Schließlich möchte man die intelligenten Wortspiele und Andeutungen alle mitbekommen. Erleichterung bringen die kurz gestalteten Absätze der Unterkapitel. Dass das Buch keine/n ausgewiesene/n Autoren hat unterstreicht die Unternehmensphilosophie von Dark Horse Innovation aus Berlin. (Betrachtet man den hinteren Bucheinschlag, so ist jedoch erkennbar wer für den vorliegenden Text verantwortlich ist.) Auch die Zeichnungen stammen aus dem eigenen Hause, verdeutlichen Kapitelüberschriften oder Leitsätzedes Unternehmens. Probleme der Generation Y mit der sogenannten Freitagswelt, der Arbeitswelt wie sie der Großteil der Deutschen täglich erlebt und erträgt, werden anschaulich geschildert, historisch und aus Erziehungsansätzen heraus hergeleitet. Jedoch begnügt man sich nicht damit, den eigenen unternehmerischen und organisatorischen Ansatz darzustellen. Dark Horse setzt sich ebenso kritisch damit auseinander und beschreibt, welche Hürden, Herausforderungen und Problemlagen in ihrem „Frollegen-Kreis“ der Gleichwertigen auftreten. Die Orientierung an etwas schon sehr Altem wie der Organisation eines Klosters beeindruckt, das Modell der Mönche und Pilger zeigt jedoch auf, dass es ohne Einflüsse der Freitagswelt (oftmals geht es auch schnöde um das dort erzielte Gehalt) wohl noch nicht funktioniert. Das System der Soziokratie scheitert scheinbar an den Vorschriften zur Verhinderung von Scheinselbständigkeit. Doch Dark Horse findet gerade aufgrund seiner Struktur und Innovationskraft auch hierfür eine Lösung. Auch und gerade weil diese harte Arbeit bedeutet. Denn davor schrecken die jungen Leute keinesfalls zurück. Ebenso wird dargestellt, dass der vorgestellte Arbeitsgestaltungsansatz im Bereich der Wissensarbeit umsetzbar und praktikabel ist, es jedoch auch Bereiche gibt, in denen allenfalls Teile davon umgesetzt werden können. Zumindest so lange, bis nicht auch hierfür eine zugeschnittene Möglichkeit kreativ erarbeitet werden wird. Scheinbar trauen sich Unternehmen jedoch nicht, in der Form kreativ zu sein, den Wandel einzuleiten und die Generation Y „einmal machen zu lassen“. Wie lange wird es (noch) dauern, bis sich die Arbeit tatsächlich an die Arbeitnehmer anpasst und nicht anders herum? Warum quälen wir uns täglich auf unseren Freitagswelt-Arbeitsplatz? Sind wir am Ende genauso dröge wie die Organisationen? Interessant wäre Kritik oder/und Sichtweisen älterer Generationen zum Buch, die die Freitagswelt so maßgeblich prägen, vertreten und vielleicht sogar verteidigen. Denn alles was von Dark Horse Innovation dargestellt wird erscheint logisch, sinnvoll und nachvollziehbar. Die Idee nimmt die Lesenden regelrecht gefangen. Nach Lektüre des Buchs möchte man gerne hinter die Kulissen schauen, selbst einmal dort mitarbeiten, spüren wie sich das anfühlt. Eine Warnung sei ausgesprochen: Für all diejenigen, die ihre Arbeit bereits innerlich gekündigt haben, kann es frustrierend sein über Dark Horse Innovation zu lesen (Es geht doch!). Ideal, wenn sich daraus die Energie speist sich selbst zu motivieren und Veränderung anzustoßen, sich beruflich zu verändern.

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