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InkaLeseliebe

Posted on 22.2.2020

Inhalt Amy und Sara könnten unterschiedlicher nicht sein: die 65-Jährige Amy lebt in Iowa, die 28-Jährige Sara in Norwegen und doch verbindet sie ein gemeinsames Hobby, das Lesen. Durch einen Zufall beginnen die beiden eine Brieffreundschaft, die das Leben so vieler Menschen verändern wird. Sara besucht ihre liebste Freundin und lernt den Ort Broken Wheel mit all seinen Ecken und Kanten kennen. Doch Sarah lässt sich keineswegs unterkriegen und eröffnet ihren eigenen kleinen Buchladen. Dabei muss Sarah erkennen, dass es außerhalb der Welt der Bücher noch eine reale Welt voller liebevoller Menschen gibt... Wie hat's mir gefallen Ehrlich gesagt fällt es mir dieses Mal sehr schwer meine Gedanken und Gefühle über das Buch in Worte zu fassen, da ich teilweise sehr zwigespalten war. Es gab Szenen in diesem Buch, die mich derart berührt haben und Zitate, die ich niemals vergessen mag, dann gab es aber auch Szenen, die sich zogen wie ein alter Kaugummi. Doch fangen wir ganz von vorne an: Sara besucht Amy, ihre Freundin, die sie bisher nur durch ihre lieben Briefe kennt. Die Geschichte beginnt direkt mit dem Besuch und nur Stück für Stück lernt man Amy durch ihre Briefe kennen. Sara versucht sich in Broken Wheel einzufinden und einzuleben. Immer mehr scheint sie Broken Wheel und deren Einwohner ins Herz zu schließen. Manche vielleicht zu sehr. Das ist nicht gut? Nein, keinesfalls - Saras Visum ist nur von Zeit und sie wird Iowa bald verlassen. Dabei wird sie nicht nur den mühsam aufgebauten Buchladen zurücklassen müssen.. Ich versuche mich nicht zu sehr mit dem Inhalt aufzuhalten, als mit dem Schreibstil, der hier wirklich sehr besonders ist. Zuerst möchte ich mit den Briefen beginnen, die mich am meisten berührt haben. Amy schreibt derart poetisch und berührend, dass allein ein Roman nur aus ihren Briefen schon funktionieren würden. Sie schreibt einerseits von Literatur, andererseits gibt sie Sara einen Einblick in ihre Seele und zeigt ihr, wie die Menschen in Broken Wheel so ticken. Allein der Stadtname 'Broken Wheel' sagt wohl schon viel über das Örtchen, die Macken und die Einwohner aus - darüber kann man wirklich unendlich lang philosophieren. Neben den Briefen geht es hauptsächlich um Sara, die unscheinbare Norwegerin mit der Leidenschaft für Bücher. Sarah mag ich wirklich, auch wenn sie erst farblos erscheint. Doch gerade ihre unscheinbare Art macht sie so einzigartig und liebenswürdig. Ihre Gedankenwelt ist ebenso spannend und poetisch geschrieben und auch hier gab es viele Zitate, die ich mir markiert habe. Doch leider kommt nicht nur Sara zu Wort, sondern auch abwechselnd mal hier und da Nebencharaktere aus dem Buch. Anfangs schien es mir absolute Willkür, wer als nächstes spricht und ich habe nicht verstanden, wieso jetzt gerade der Dorfbewohner X zu Wort kommt. Die Autorin versucht dadurch den Bewohnern von Broken Wheel Leben einzuhauchen, aber für mich waren diese Szenen einfach leblos und unnahbar. Der Schreibstil war in diesen Szenen wie abgehackt. Ich habe lange darüber nachgedacht, ob dieser Schreibstilumbruch absichtlich gewählt wurde um zu zeigen wie einzigartig und besonders Amy und Sara waren, oder ob es der Autorin gar nicht auffiel, was sie mit der besonderen Schreibweise ihrer Geschichte angetan hat. Schade, hier wurde sehr viel Potential verschenkt, denn die Szenen zogen sich oft und waren ohne erkennbare Spannung. Ohne euch das Ende zu verraten, muss ich doch über das letzte Drittel des Buches reden. Im ersten Teil von "Ein Buchladen zum Verlieben" stehen Autoren und Bücher im Vordergrund, was mir sehr gefallen hat. Viele bekannte Schmöker werden erwähnt und eine Leseratte wird viel wiedererkennen. Kennt man diese Bücher aber nicht, so gibt es zwei Haken: 1. Man versteht dadurch nicht immer, was die Autorin mit dem Buchverweis sagen will oder (was noch viel schlimmer ist) man wird 2. sehr fies gespoilert. Ich z.B. kannte "Jane Eyre" noch nicht und fand es schrecklich, dass es eine Buchzusammenfassung mit dem Erzählen des Endes gab. Alles in allem fand ich die Buchverweise wirklich toll, aber für meinen Geschmack wurde zu wenig über Bücher geredet. Der Titel war für mich eindeutig: es geht um Bücher und Liebe. Beides kommt für meinen Geschmack zu kurz, gerade im letzten Drittel des Buches. Somit komme ich zu meinem nächsten und letzten Kritikpunkt: der Liebesgeschichte. Sie ist immer irgendwie im Hintergrund da, wie der morgendliche Nebel in den Bergen, scheint aber nie klar und deutlich zu werden. Diese Ungewissheit machte mich beim Lesen halb wahnsinnig und irgendwie fand ich es auch gut, das es nicht zu kitschig wurde. Doch das Ende hat mich enttäuscht, zeigte keinerlei Romantik und konnte mich nicht überzeugen. Etwas Mehr wäre hier schön gewesen. Trotz aller Kritikpunkte hat mich das Buch sehr gut unterhalten und ich konnte es kaum aus der Hand legen. Ich hatte viel Spaß mit Sara, Tom, Amy und Co., auch wenn viele Fragen noch ungeklärt sind. Langweilige Szenen übersteht man wirklich gut, weil man weiß: bald kommen wieder literarische Kunstwerke in Form von Amys Briefen. Cover/Buchgestaltung Das Buch ist zauberhaftgestaltet und gefällt mir sehr gut. Der Buchumschlag ist qualitativ hochwertig und knittert nicht so schnell wie andere. Wäre ein Lesebändchen angebracht, wäre es perfekt. Gut zu wissen Vorsicht! Das Buch enthält viele Spoiler über andere Bücher. Wer das nicht mag, sollte zu einem anderen Buch greifen. Für Fans von * "Sternenküsse" von Giovanna Fletcher * "Meine wundervolle Buchhandlung" von Petra Hartlieb Fazit Katarina Bivald überzeugt mit einem ganz besonderen Schreibstil, der teilweise wie kleine literarische Pralinen verteilt wurde, aber leider nicht das ganze Buch durchzog. Auch wenn mich die Liebesgeschichte nicht recht überzeugen wollte, so spürte ich auf jeder Seite die Liebe zu den Büchern und fühlte mich durch und durch unterhalten. Bewertung 3,5/5

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