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frauschafski

Posted on 16.2.2020

Der dem Leben entrückte Mensch Dieses Buch ist – gelinde gesagt - verstörend. Han Kangs Figuren sind allesamt dem Leben entrückt. In drei Akten kommt jeweils eine andere Figur zu Wort und dennoch dreht sich im Kern alles um Yeong-Hye, die eines Tages beschließt, Vegetarierin zu werden. (Ich bin mir nicht sicher, ob es ein Übersetzungsproblem ist, denn genau genommen wird sie zur Veganerin, lehnt sie doch jegliche tierische Produkte ab.) Von diesem Tag an beginnt ihr Leben und das ihrer Familie zu zerbrechen. Warum sie zu diesen radikalen Handlungen neigt, die im Laufe des Buches immer radikaler werden, wird nicht ganz klar. “Ich hatte einen Traum.”, ist ihre einzige Rechtfertigung. Dieser Traum wird nicht der einzige bleiben. Sie sind surreal und verstörend, wie Träume nun einmal sein können. Allerdings neigt der Mensch nicht unbedingt dazu, sie für so wichtig zu nehmen, dass auf deren Grundlage ein ganzes Leben umgekrempelt wird. Die Menschen in ihrem Umfeld verstehen Yeong-Hyes Veralten nicht – und ebenso wenig tut es der Leser. Damit sind wir am Kern dieser verwirrenden Erzählung angelangt: Verständnis. Es ist eine enorme interpretatorische Leistung nötig, um auch nur ansatzweise dieser Geschichte nahezukommen. Ich bin mir nicht sicher, inwiefern das überhaupt möglich ist und ob genau das nicht der Punkt der Autorin ist: dass manche Dinge über unseren Verstand hinausgehen. Die Frage, die sich stellt ist viel mehr, ob wir über etwas, dass wir nicht verstehen, urteilen dürfen. Gleichzeitig glaube ich auch, dass wir aufgrund unserer Neigung zu rationalen Erklärungen immer nach einer Antwort suchen werden. Fazit: Tja, was fange ich nun damit an. Fakt ist, ich habe dieses Buch nicht verstanden, habe keinen richtigen Zugang dazu gefunden. Ob dies nun am falschen Zeitpunkt lag, sei dahingestellt. Den literarischen Wert dieser Erzählung erkenne ich ohne Zweifel an, dennoch bleibt sie für mich merkwürdig entrückt und fern, weswegen ich nicht mehr als 3/5 Sterne vergeben kann.

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