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buchmaedchen_bloggt

Posted on 13.2.2020

Bei Delirium handelt es sich um eine erschreckend realistische Dystopie, welche sich vor allem dadurch auszeichnet, dass es sich um eine spannende Idee handelt und wir wohl alle eine Welt ohne Liebe schrecklich fänden. Vor allem durch den Realismus hebt sich Delirium von anderen Dystopien ab, welche zwar gerade total im Trend liegen aber nicht immer sehr realistisch sind. Wie auch bei anderen Dystopien üblich, lässt sich eine gewisse Provokation und Gesellschaftskritik herauslesen, die ich in diesem Falle besonders interessant finde. Einzelne Ansätze kann man in unserer Gesellschaft bereits jetzt finden: Menschen die Geld, Macht oder Ansehen genießen und dabei auch gerne auf Familie oder Partnerschaft verzichten. Das soll keine Kritik an diesen Menschen darstellen, jeder kann so leben wie er will, dennoch finde ich es ansatzweise vergleichbar. Der Verzicht auf Liebe, das herausoperieren von Gefühlen, bewirkt mehr als man im ersten Moment annimmt. Stellt euch mal eine Mutter vor, die nicht fähig ist ihr Kind zu lieben - kein so schöner Gedanke, oder? Denn nach dem Eingriff werden die Menschen zu einer Art Zombies, nicht fähig etwas zu fühlen und Leben so vor sich hin, wie der Staat es will. Sie heiraten jemanden bestimmtes, arbeiten und studieren etwas bestimmtes um irgendwann innerhalb des Zaunes (!) ihrer Stadt zu sterben. Was ich aber wirklich erschreckend finde: ich verstehe, warum die meisten Menschen glauben, dass Amor deliria nervosa eine böse, tödliche Krankheit ist und sich freuen, sobald sie um ihren 18. Geburtstag rum 'geheilt' werden. Es wird gesagt, dass es ohne Liebe auch keinen Hass gibt. Ohne Hass gäbe es auch keinen Krieg - und somit ist es tödlich. Als Krankheit wir es angesehen, da verliebte ja tatsächlich Symptome aufweisen wie Unzurechnungsfähigkeit, Verwirrtheit oder Appetitlosigkeit. Ich könnte mir vorstellen, dass es in echt genügend Menschen gibt, die sich mit solchen Argumenten überzeugen lassen - und das ist das wirklich perfide daran. Lauren Oliver ist für mich eine herausragende Autorin. Die übermitteln Emotionen perfekt und weiß, wie man innerhalb kürzester Zeit und eher unbewusst Sympathie oder Antipathie aufbaut. Dieses geschieht mithilfe einer geschickt gewählten Auswahl von Worten. Die Spannung kommt wirklich nicht zu kurz, obwohl ich dennoch der Meinung bin, dass alles vorhersehbar ist. Vor allem, dass Lena und Alex sich verlieben ist bereits nach dem Klappentext klar, welcher gerne etwas weniger Aussagen hätte dürfen. Es hat mir aber trotzdem gefallen. Wo wir schon bei Lena und Alex sind: viel unterschiedlicher könnten die beiden nicht sein. Lena glaubt an das System, so wie beinahe alle anderen auch, denn sie wurde einfach so erzogen. Und ohne je die Liebe zu erfahren haben, wird man es wohl auch nie anzweifeln. Doch sie macht eine gewaltige Entwicklung durch, wie der Phönix aus der Asche. Sie bleibt bei dieser Entwicklung aber auch realistisch, da sie hin und wieder in alte Muster verfällt und sich selbst ermahnen muss. Das ist ja auch nicht weiter verwunderlich, immerhin wurde sie zig Jahre darauf getrimmt. Sie durfte nie etwas mit Jungs machen, mit Ihnen sprechen, geschweige denn sie anfassen. Somit ist sie natürlich auch in der Zwickmühle was Alex betrifft, die Gefühle überwältigen sie. Doch ein bisschen Widerstand scheint schon immer in ihr gesteckt zu haben, auch ohne es auszuleben, da sie immer schon mehr hinterfragte. Zu Alex möchte ich an dieser Stelle noch gar nicht soviel sagen, da ich dann viel zu viel Spoilern würde. Als dritte, wichtige Person wäre noch Hana anzusehen, Lenas beste Freundin. Die beiden geraten immer mal wieder in Streit, nachdem Lena erfährt, dass Hana verbotenes tut. Denn eigentlich ist Lena die vernünftigere. Dennoch mag ich Hana sehr, denn sie wirkt authentisch und sympathisch. Ich Liebe dieses Buch! Die Mischung aus Realismus und wahrer, tiefgehender Liebe ist einfach wundervoll. Volle Empfehlung von mir für alle Dystopie Fans! :)

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