Profilbild von papierfliegerin

papierfliegerin

Posted on 13.2.2020

Robyn Carr schreibt total harmonisch und leicht, trotzdem erzeugt sie mit bloßen Worten eine gute Portion Emotionen und eine heimelige, Wohlfühl-Atmosphäre. Das Buch hat sich wirklich locker lesen lassen; ich kam gut voran und das Verständnis war ebenfalls sehr einfach. Alles in allem ist es sicher kein außergewöhnlicher Stil, aber doch passend für das Genre und angenehm aufzunehmen. Was mir nicht ganz so positiv ins Auge stach, war die Gliederung. Zum Einen waren es doch recht lange Kapitel, was ich persönlich ja nicht so gerne mag. Zum Anderen war es die Art, wie die Autorin zwischen den einzelnen Schwestern hin und her wechselt – ich ging fest davon aus, dass jede Schwester ihre eigenen, kurzen Kapitel gewidmet bekommt, doch im Endeffekt war es so, dass es relativ willkürlich und mitten im Kapitel immer wieder wechselte. Heißt: manchmal lesen wir 10 Seiten über Clare, die nunmal auch die Hauptfigur ist, dann wurde ein 5 Zeilen langer Absatz über Sarah eingeschoben, ehe es dann bei Clare weiter ging. Das ist und bleibt einfach eine Tatsache, die mir immer eher negativ aufstößt, aber es war definitiv zu verschmerzen und kein Aspekt, der mich dazu veranlasst hätte, etwas an der Bewertung zu verändern. Wie bereits erwähnt ist es Clare, die mittlere der drei McCarthy-Schwestern, die die Hauptrolle der Geschichte übernahm. Sie war mit ihren 39 Jahren deutlich älter als die Protagonisten, denen ich ansonsten begegne in Büchern; doch fand ich das auch mal ganz erfrischend und abwechslungsreich. Ich mochte Clare auch echt gerne, obwohl ich permanent das Gefühl hatte, dass eine gewisse Distanz zwischen uns einfach nicht weichen wollte. Sie war sympathisch und absolut authentisch, aber so richtig ins Herz geschlossen habe ich sie leider nicht. Nichts desto trotz fieberte ich dennoch gern mit ihr mit und fand es auch total schön, mit ihr durchs Leben zu gehen; ihre Gefühle zu sehen und mitzufühlen. Selbst die Entwicklung, die sie an den Tag legte, war deutlich spürbar und stieß bei mir auf Wohlgefallen. Kennt ihr das? Ihr mögt eine Figur, aber der Funke will nicht so richtig überspringen? Dabei konnte ich ihre Handlungen und Gedankengänge stets nachvollziehen und kann auch absolut nicht benennen, was für diese Distanz gesorgt hat. Dafür habe ich Sarah, das Nesthäkchen so unglaublich gerne gehabt. Sie war einerseits so taff, so selbstständig und abenteuerlustig; auf der anderen Seite war auch ihre schwache, zerbrechliche Seite gut ausgearbeitet und sehr glaubhaft. Die Chemie zwischen uns stimmte auch und ich fand ie wesentlich vielschichtiger als Clare, und auch als Maggie. Mit ihr wurde es nie langweilig und ihre Emotionen konnte ich auch besser nachempfinden, wie die von Clare. Woran es lag, vermag ich nicht zu sagen; ich kann nur verraten, dass Sarah definitiv meine Lieblingsschwester war und ich mich stets gefreut habe, wenn sie ins Gespräch kam. Maggie nahm nur eine relativ unwesentliche Rolle ein, kam allgemein eher selten vor und wenn, dann mehr am Rande. Ich erinnere mich nur an eine Szene, in der sie etwas näher beleuchtet wurde und diese Passage war zwar interessant und durchaus amüsant zu verfolgen, aber tat dann letztlich doch nichts für die allgemeine Geschichte. Alle Nebenfiguren empfand ich ebenfalls als akzeptabel. Es gab niemanden, der mein Interesse so richtig wecken konnte, aber das störte mich in diesem Fall nicht besonders. Der ein oder andere stach zwar dann doch ein wenig hervor, schaffte es aber auch nicht, mich so richtig zu begeistern. Wen ich ganz gerne mochte war Jason, den Sohn von Clare, aber das wars dann eigenlich auch schon. Die Geschichte an sich strotzt natürlich nicht vor Spannung; dafür befinden wir uns im falschen Genre. Dafür überzeugt sie viel mehr durch Emotionen und den Wohlfühl-Faktor. Das Buch spielt nämlich am Lake Tahoe, bzw. in Breckenridge um genau zu sein. Einem kleinen, süßen Städtchen mit traumhaft schönem Flair. Gleich die erste Überraschung gabs schon auf den ersten Seiten, denn obwohl ich mit wenig bis sogar gar keiner Spannung gerechnet hatte, ging alles sehr turbolent los. Wir treffen Clare in einer absoluten Ausnahme-Situation an und erleben gleich mit wie ihr gesamtes Leben aus den Fugen gerät. Erst nachdem dieses Chaos sich langsam lichtet und sich Besserung einstellt, verspürte ich den erhofften Wohlfühl-Faktor und konnte mich regelrecht treiben lassen. Es wurde demnach dann auch wesentlich ruhiger, doch die nächste Überraschung, nämlich die „Spieldauer“ der Geschichte, ließ nicht lange auf sich warten: wir begleiten Clare und Co. nämlich über einen doch sehr großen Zeitraum von ungefähr 1.5 Jahren und haben so nicht nur die Sommergefühle, sondern können auch mit den Protagonisten gemeinsam in den Bergen Ski fahren. Diese Abwechslung gefiel mir unheimlich gut und ich fühlte mich tatsächlich enorm wohl in der Geschichte. Selbst die ruhige Art, wie alles passiert, langweilte mich keineswegs, sondern fesselte mich noch mehr ans Geschehen. Das Finale war, wie erwartet, dann keine große Überraschung mehr; und trotzdem habe ich das Ende mit einem so breiten Lächeln auf den Lippen gelesen, dass es einfach schön gewesen sein muss. FAZIT: Für Gefühle ist es nie zu spät“ von Robyn Carr war tatsächlich genau das, was ich mir von der Geschichte erhofft hatte. Eine traumhafte Kulisse, sympathische Figuren und ein sehr angenehmer Stil sind nur ein paar positive Aspekte von vielen. Sogar eine gehörige Portiion Spannung war zu spüren und von dem Wohlfühl-Faktor habe ich ja jetzt oft genug gesprochen. Es sind genau solche Bücher, die es immer wieder schaffen, mein Herz zu erwärmen und diese Geschichte reiht sich da nahtlos ein. „Für Gefühle ist es nie zu spät“ ist ein Buch, in das man sich fallen lassen und sich treiben lassen kann; perfekt für sommerliche Stunden auf dem Balkon oder vor dem Kamin – eben für zwischendurch. Mir hat die Geschichte rund um Clare gut gefallen und auch wenn einiges dann doch vorhersehbar war, gibts von mir 3.5 Sterne.

zurück nach oben