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Mila

Posted on 11.2.2020

Im Religionsunterricht behandelten wir das Themengebiet "Ethik" und schauten infolgedessen den Film "Terror: Das Urteil" an, nach dem Theaterstück von Ferdinand von Schirach. Mich hat die Geschichte und die einfache Machart beeindruckt, weshalb ich beim nächsten Buchhandlungsbesuch direkt auf die Schirach-Ecke zusteuerte. Für "Verbrechen" sammelte Schirach elf Fälle, in die er involviert war, und deren Hintergründe. In der Geschichte "Fähner" begegnen wir einem angesehenen Arzt im Ruhestand, der seine Frau zerstückelt und im Anschluss sofort die Polizei informiert. In "Das Cello" tötet eine Schwester ihren Bruder – aus Liebe. Und in "Der Äthiopier" wird von einem Banküberfall erzählt, mit einem absolut verständlichen Motiv, sodass der Bankräuber sogar von der Justiz gerettet wird. Schirach erzählt klar, konturiert und gibt dabei nur das Wichtigste preis. Er verrät so wenig Infos wie möglich und gleichzeitig so viele Details wie nötig. So gelingt es ihm, den Fällen eine besondere Eindringlichkeit zu verleihen. Wichtig ist dabei, dass er nicht wertet, sondern den Lesenden die Chance gibt, ihre eigene Meinung zu bilden. Das ist nicht immer leicht. Es wird deutlich, dass ein einfaches "Mord ist böse"-Urteil nicht funktioniert, denn wir kennen viele Details, Gründe und Motive gar nicht. Die meisten Dinge sind kompliziert, und mit der Schuld ist es so eine Sache. – Schirachs Onkel Die kurzen Geschichten geben zu denken auf. Sie lassen sich zwar an einem Nachmittag locker hintereinander weglesen, aber Denkpausen zwischendrin sind essentiell. Fazit: Ferdinand von Schirach zeigt, dass es bei Verbrechen nicht immer nur um gut oder böse, schwarz oder weiß geht. Jeder Fall besitzt seine eigene Komplexität, auch, wenn er zunächst banal erscheint. Sein einfacher, klarer und vor allem neutraler Schreibstil vereindringlicht die Geschichten. Ich bin fasziniert von diesem Schriftsteller und werde mir sobald wie möglich "Schuld", sein zweites Buch, kaufen.

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