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Posted on 3.9.2022

*Faszinierende Lebensgeschichte* In dem neuesten Roman „Violeta“ lässt uns die chilenische Erfolgsautorin Isabel Allende an der faszinierenden Biografie der titelgebenden Protagonistin Violeta del Valle teilhaben – einer außergewöhnlichen und charakterstarken Frau, die auf ein turbulentes, ereignisreiches Jahrhundert zurückblickt und sich an bedeutsame Ereignisse aus ihrem bewegten 100-jährigen Leben zurückerinnert. Auch wenn die Autorin das in Südamerika verortbare Land, in dem die Handlung hauptsächlich spielt, nicht explizit benennt, wird schon bald klar, dass diese in Chile angesiedelt ist. Inspiriert wurde der fesselnde Roman von der beeindruckenden Lebensgeschichte ihrer 2019 kurz vor Pandemiebeginn verstorbenen Mutter Panchita, zu der die Autorin eine sehr innige Beziehung hatte und deren Persönlichkeit sie nachhaltig prägte. Die Autorin lässt ihre Protagonistin in hohem gesegneten Alter selbst in einem langen, an ihren geliebten Enkel Camillo gerichteten Brief über bedeutsame Episoden und prägende Geschehnisse in ihrem langen, ereignisreichen und erfüllten Leben berichten. Untergliedert ist der Roman in vier unterschiedliche Zeitabschnitte, beginnend mit „Die Verbannung 1920 – 1940“, über „Leidenschaft 1940 – 1960“, „Die Abwesenden 1960 – 1983“ und schließlich abschließend „Wiedergeburt 1983 – 2020“. Ein ganzes Jahrhundert umspannt Violetas aufregendes Leben, das – eingebettet zwischen zwei Pandemien - 1920 während der Spanischen Grippe begann und 2020 im Jahr der Corona-Pandemie endete. Chronologisch erzählt die immer noch agile Großmutter pikante Details aus ihrer Familiengeschichte, ihrem komplizierten Liebesleben und den vielen Höhen und Tiefen ihres langen abenteuerlichen Lebens und muss sich im Alter rückblickend auch fatale Fehleinschätzungen und Versäumnisse eingestehen. So erfahren wir nach und nach über ihre unbeschwerte Kindheit als einzige Tochter einer wohlhabenden konservativen Oberschichtfamilie, Jahre der Armut nach dem tragischen Freitod ihres hochverschuldeten Vaters in der ländlichen Verbannung bis hin zu schmerzlichen Verlusten und das Meistern vieler persönlicher und finanzieller Krisen. Es ist sehr faszinierend diese kluge, unerschrockene und geschäftstüchtige Frauenfigur im Wandel der Zeiten zu begleiten und ihre persönliche Entwicklung als Mutter und leidenschaftliche Geliebte aber auch ihre Reifung im Alter mitzuverfolgen. Wir erleben sie als eine vielschichtige und eigenwillige Persönlichkeit, die trotz mancher Widrigkeiten und Schicksalsschläge auf den Rückhalt von treuen Freunden und loyalen Familienmitgliedern bauen und dank finanzieller Unabhängigkeit selbst in Notzeiten stets ihren eigenen Weg beschreiten konnte. Allende ist es gut gelungen, bedeutsame Stationen im bewegten Leben dieser wandlungsfähigen Frau voller Willensstärke, Leidenschaft aber auch Schwächen einzufangen und diese zu einer fesselnden, abwechslungsreichen und unterhaltsamen Geschichte zusammen zu fügen. Geschickt verknüpft Allende die persönlichen Erlebnisse ihrer Protagonistin mit den historischen Geschehnissen wie die Welt-Wirtschaftskrise oder den Zweiten Weltkrieg sowie die politischen Umwälzungen in jener Zeit und gibt uns aufschlussreiche Einblicke in den gesellschaftlichen und sozialen Wandel, den Kampf um die Frauenrechte oder die Einstellung zur Homosexualität. In sehr eindrucksvollen Episoden behandelt sie auch politische Themen wie Kommunismus und sozialistische Bewegungen bis hin zu den Militärdiktaturen in Südamerika und ihrer grauenvollen Schreckensherrschaft. FAZIT Ein bewegender und fesselnder historischer Roman über eine faszinierende Protagonistin und über das Leben mit all seinen Facetten, der nachdenklich und hoffnungsvoll zugleich stimmt!

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