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gwyn

Posted on 2.5.2022

Kürzlich hatte ich die Die Gourmet-Bibel Frankreich vorgestellt. Dieses Buch ist im Prinzip auf die gleiche Art gestaltet: ein Buch zum Schmökern – dies für Italienfans. Bibel sagt ja bereits alles über den Umfang aus. Wissenswertes über die italienische Küche und deren Kultur, Historisches, Literatur, berühmte Persönlichkeiten, die kulinarischen unterschiedlichen Produkte Italiens, Rezepte von Affogato bis Zuppa inglese finden sich hier: kulinarisches Wissen in geballter Kraft. Ein Buch zum Schmöckern – denn hier geht nichts der Reihe nach. Es beginnt mit Küchengeräten, Besteck und Menüfolge, Antipasti, primi piattti ... geht weiter zur gastronomischen Körpersprache. Eine detaillierte Kartensammlung der Genussgeografie ist der erste Hingucker. Und schon landen wir bei den ersten Rezepten, die stets fulminant kommentiert werden. Pesto Genovese: Historisches, das Rezept, die Zubereitung, Infos zu den Inhaltsstoffen; Kurioses: Eine Weltmeisterschaft. Die 10 besten Pizzabäckereien in Neapel. Miesmuschel, Minestrone. Und nun sind wir bei Casanova angelangt. Das aphrodisierende Menü ... die erotische Sprache der Gerichte. Die Macchinetta; dieses röhrende und zischende Gerät, um Espresso zu kochen. Auf der gegenüberliegenden Seite gibt es Informatives zur Polpette und natürlich das Rezept. Ein paar Seiten über die Tomate folgen; Sorten, Verarbeitung, Sugo, die Geschmacksbeschreibung von 30 typisch italienischen Tomatensorten usw. Pomodore. Von wegen! Auch wenn es so im Wörterbuch steht. In den Abruzzen sagt man pammador, in Kalabrien pimmadoru, in Venetien tomat, in Ligurien pumata, auf Sardienen tramata usw. Ich denke, es ist klar, eine Ordnung gibt es nicht. Das macht auch nichts. Denn das Buch ist zum Blättern gedacht. Infos über Infos. Biere, Pizza, Pasta, Risotto, Gnocchi, Polenta, Wurstsorten, Käsesorten, Gemüsesorten, Eis, Aperitivo, Grissini, Polenta, Kapern, Zitrusfrüchte, Oliven, Wurst, Fisch, Meeresfrüchte, Cannolo, Kaffee, Wein, Grappa, Fleisch und Tierarten, Olivenöl, Kräuter, Mandeln, Gebäck und Bonbons, berühmte Köche, Schriftsteller mit ihren Texten und Lieblingsmenüs, die Commedia dell‘arte, berüchtigte Restaurants. Hier wird nichts ausgelassen. Bitte, was ist eine Bacaro, eine Putía, eine Fraschetta, eine Locanda, eine Piola? Hier kann man speisen oder etwas zu Trinken bekommen. Was ist eigentlich Ricotta? Auch hier gibt es viele Sorten; wir erfahren etwas zur Herstellung und zu Spezialitäten. Kurioses und Historisches, wie zum Beispiel das Schusterkalb aus Sardinien, gefüllt wie eine Matruschka, das in einem Erdloch gegart wird. Die Slow-Food-Bewegung ist im Piemont entstanden. Die Pasta in der Filmgeschichte und in der Literatur, italienischer Genuss im Krimi. Zu Tisch mit Päpsten. Eine bunte Ansammlung von Informationen. Am Endefindet man diverse Register, damit man später auch alles wiederfinden kann. Die kulinarische Faktensammlung mit Lebensmittelkunde hat es in sich, wie auch der Frankreich-Zwilling, aufgebaut wie ein Wimmelbuch. Und wer immer noch nicht weiß, wie man Penne all’Arrabiata, Parmigiana di Melanzane, Vitello Tonnato macht, der wird die Klassiker hier finden. Ein Buch für Besserwisser, voller lukullischer Informationen. Wer nach dieser Lektüre noch Fragen zur italienischen Kulinarik offen hat, ist selbst schuld. Must have für Italienfans! Gaudry, François-RégisDer Franzose François-Régis Gaudry, geboren 1975, ist Journalist und Restaurantkritiker. Er schreibt eine wöchentliche Kolumne für »L’Express« und präsentiert im Radiosender France Inter jeden Sonntag die Sendung »On Va Déguster«, aus der die Idee für dieses Buch entstanden ist.

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