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Gabriele

Posted on 2.2.2021

Die elfjährige Unn ist neu im Dorf. Seit dem Sommer lebt sie bei ihrer Tante, der Schwester ihrer verstorbenen Mutter. Es dauert bis in den beginnenden Winter, ehe sie bereit ist, sich mit Siss anzufreunden. Es ist eine eigenartige Freundschaft, die nicht lange dauert. Denn Unn verschwindet und lässt Siss trauernd zurück. Mich hat der 1897 geborene Autor tief beeindruckt. Er lässt die Umgebung und die Menschen leuchten. Seine Beschreibung des knackig kalten, skandinavischen Winters und die geheimnisvolle Schönheit des Eis-Schlosses hat meine Phantasie angeregt: „Das Wasser wurde aus seinem Bett gehoben. Baute mit Hilfe des Frostes. Weiter, höher, Gelasse und Gänge und Gassen, mit Eiskuppeln darüber. Viel verwinkelter und prachtvoller als alles ...“ (Seite 51) Das Geheimnis, das die Freundschaft der beiden Mädchen so besonders macht, bleibt bis zum Schluss ungeklärt. Deutlich wird dagegen Siss‘ nicht enden wollende Trauer. War sie früher eine Anführerin, so hat sie sich jetzt auf die Beobachterrolle zurückgezogen und wagt nicht, sich wieder mit den anderen Kindern einzulassen. Die Erzählung hat mir Gänsehaut beschert, nicht nur wegen der beschriebenen Kälte, sondern vor allem wegen der mehrmals auftretenden Spannung. Schön, dass der Berliner Hinrich Schmidt-Henkel dieses Buch für uns übersetzt hat. Auch die begeisterte Besprechung von Doris Lessing im Anhang ist lesenswert.

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