Profilbild von travelartandbookblogger

travelartandbookblogger

Posted on 12.1.2021

Der Zopf von Laetitia Colombani ist ein Roman, der drei fiktive Frauenschicksale, die ein wenig überspitzt und vor allem sehr eurozentrisch dargestellt werden, nach und nach wie die drei Strähnen eines Zopfes miteinander verwebt. Smita lebt in Indien. Sie ist eine Dalit, eine Unberührbare, somit gehört sie zu den Alleruntersten des Hinduismus und sie muss wie eine Sklavin wortwörtlich die Scheiße ihrer Nachbar*innen entsorgen, während ihr Mann Nagarajan auf Rattenjagd geht. Für ihre Tochter Lalita wünscht sie sich eine bessere Zukunft, weswegen sie all ihre Ersparnisse in deren Schulbildung investiert. Aus religiösen Gründen spenden arme Hindus den Göttern das Wertvollste, was sie haben: ihr Haar. Giulia lebt in Italien, auf Sizilien, und genießt als Tochter eines Industriellen, der Echthaar zu Perücken verarbeitet, einen gewissen Wohlstand. Nach einem Unglück ist sie plötzlich für das sizilianische Familienunternehmen verantwortlich und muss erkennen, dass sich die Familie auf einmal vor dem finanziellen Ruin wiederfindet, wenn sie nicht schnell einen Ausweg aus der Misere findet. Sarah arbeitet als erfolgreiche Partnerin in einer Anwaltskanzlei. Sie schafft es, Karriere mit drei Kindern und zwei Exmännern unter einen Hut zu bringen. Bis zu dem Zeitpunkt, als sie die Diagnose Brustkrebs erhält. Sie wird durch die Chemotherapie nicht nur ihre Haare verlieren. Was mir persönlich an dem Buch gut gefallen hat, waren die Schicksale von Smita und Sarah - in diesen Kapiteln habe ich immer mitgefiebert, wie sich die Handlung weiterentwickeln wird, wohingegen mich Giulias Kapitel so gar nicht bewegen konnten und für mich eher die anderen beiden Handlungsstränge unterbrochen haben. Außerdem bin ich mir schon unsicher, wie glaubwürdig die Charaktere gezeichnet sind. Man merkt dem Roman meiner Meinung nach sehr an, dass die Autorin aus Europa und aus der Filmbranche stammt. Als Film würde mich die Story wahrscheinlich mehr mitreißen, also ich könnte mir auf jeden Fall eine Verfilmung vorstellen.

zurück nach oben