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mrs.misery

Posted on 28.8.2020

Wer meinen Blog oder meine Seite auf Instagram hin und wieder mal durchblättert, konnte wahrscheinlich schon ahnen, dass ich dieses Buch einfach haben MUSSTE! Bei diesem Cover konnte ich natürlich nicht widerstehen.. helle Farben und ein verträumtes Muster. Ein großer Pluspunkt war das schon, denn auch wenn die Geschichte vielleicht nicht der Knüller sein würde, sieht dieses Schmuckstück ganz wunderbar im Bücherregal aus. Und dann war da ja noch der Titel. Als bekennende Catlady ist die Vorstellung von einer Welt ohne Katzen natürlich kaum zu ertragen. Umso gespannter war ich dann auf die Geschichte - in Gedanken freundete ich mich schon damit an, dass das sanfte Cover täuscht und mir ein Horrorbuch bevorstünde. Aber natürlich kam alles anders als gedacht.. "Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden" ist eine sehr tiefgreifende Geschichte, die mit den wichtigen Fragen der Welt spielt. Was bleibt wenn wir gehen? Wie wichtig sind Leben und Tod? Der Protagonist, ein junger Briefträger, erfährt, dass er einen unheilbaren Hirntumor hat. Geschockt und nachdenklich erscheint ihm der Teufel, der ihm einen Pakt anbietet: Er darf jeweils einen Tag länger am Leben bleiben, wenn er eine Sache auf der Welt verschwinden lässt. Voller Hoffnung sagt der Protagonist zu, denn unnötige Dinge gibt es schließlich zuhauf auf der Welt. Problematisch wird es jedoch schnell, denn der Teufel legt fest, welche Dinge von einem Tag auf den anderen verschwinden sollen. Und der Teufel wäre schließlich nicht der Teufel, wenn er sich für Krankheiten oder Kriege entschieden hätte (wie praktisch wäre es gewesen, hätte er für Gehirntumore gestimmt!). So nimmt das Schicksal seinen Lauf - alle Telefone verschwinden und der Briefträger lebt einen Tag länger, bis.. ja bis er erneut die Dinge auslöschen soll um sein Leben nicht beenden zu müssen. Bis der Teufel schließlich die Katzen verschwinden lassen will und somit auch den Kater des Kranken namens Weißkohl. Klar, dass hier eine Grenze überschritten wird - eine Welt ohne Weißkohl und Co.? Parallel läuft eine sehr melancholische Liebesgeschichte mit. Dabei werden jedoch keinerlei Klischees bedient - im Gegenteil: Das (Ex-) Paar glänzt durch einen sehr erwachsenen, würdevollen und trotzdem verträumten Umgang miteinander. Auch das Verhältnis zu den eigenen Eltern wird immer wieder thematisiert und ist wohl das, was die meisten von uns zum Nachdenken bringt und dem Buch eine so sentimentale Stimmung verleiht. Die Geschichte erinnert etwas an Goethes Faust, denn auch hier wird ein Pakt mit dem Teufel geschlossen, um sein eigenes, egoistisches Ziel zu verfolgen. Mit Faust kann Kawamuras Geschichte natürlich nicht mithalten, aber auch hier lässt sich wunderbar die Gretchenfrage stellen, wenn man denn Lust hat, das Buch so zu analysieren. Kawamura schafft es außerdem, mit seinen kurzen und dafür sehr präzisen Sätzen eine melancholische, ja fast schon traurige Grundstimmung zu erzeugen. Als LeserIn befindet man sich schnell in einem Wechselbad zwischen herzzerreißenden Fragen und dem Lächeln, das einem die Schönheit dieses Buches entlockt. Die Story war sicherlich etwas vorauszuahnen, was vielleicht auch etwas dem (kurzen) Umfang geschuldet ist. Nichtsdestotrotz ist diese Geschichte wunderbar geeignet, um sich wieder auf die wichtigen Dinge im Leben zu konzentrieren - gerade jetzt, wo doch die Weihnachtszeit vor der Tür steht und wir alle etwas näher zusammenrücken sollten.

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