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papierfliegerin

Posted on 4.8.2020

Wie schon in Band 1 birgt auch der Nachfolger einen wunderbar blumigen Schreibstil, der ein glasklares Bilder der Szenerien und Kulissen entstehen lässt. Mittels vielen Beschreibungen an den richtigen Stellen taucht man als Leser regelrecht in die Geschichte ab und kann sich problemlos hineindenken. Und trotz der vielen Details kommt es zu keinen Verzögerungen, was den Lesefluss betrifft. Das Buch hat sich enorm schnell und leicht lesen lassen, konnte mitreißen und erinnerte stellenweise sogar mehr an einen actionlastigen Abenteuerfilm als an eine einfache Erzählung. Zugegeben, manchmal wäre vielleicht etwas weniger mehr gewesen, doch im Endeffekt rüttelte diese Tatsache nicht großartig am Gesamteindruck. Gegliedert in sehr kurze, knackige Kapitel, die stets mit einem fiesen Cliffhanger endeten, animierten dazu, am Ball zu bleiben und das Buch nur schwerlich aus den Händen legen zu können. Der Einstieg bereitete, wie schon befürchtet, ein paar Probleme. Da die Erinnerung an das Ende des ersten Bandes quasi komplett fehlte, brauchte es einige Zeit, ehe sich die Zusammenhänge wieder erschlossen und alles einen Sinn ergab. Erst dann fällt es einem auch wieder leichter, sich zurecht zu finden und mit den Hauptfiguren mitzufiebern. Die Handlung weist sehr viele Plots auf, das Erzähltempo ist sehr rasant gehalten und die Grundspannung dauerhaft spürbar. Es überrascht wirklich, wie viel innerhalb dieser Geschichte passiert und wie viel Action und Wendungen Dhonielle Clayton eingebaut hat. Allein die ganzen Ideen, die verschiedenen Ortlichkeiten und der Weg dorthin ist beeindruckend. Sie schaffte es auch problemlos, immer wieder zu überraschen, indem sie die Richtung der Handlung immer wieder änderte und so gleichzeitig verwirrte wie neugierig machte. Sie schreckt definitiv auch nicht vor schockierenden Ereignissen zurück und beweist so wirklich Mut. Gerade in Bezug auf die Sterberate in dieser Geschichte ist kaum noch Luft nach oben. Doch trotz allem, wollte der Funke einfach nicht recht überspringen. Ob es wohl an meinen Problemen mit Camille lag? Oder ob es schlicht der Tatsache geschuldet war, dass das Ende in gewisser Weise abzusehen war? Man weiß es nicht, doch jedes Mal, wenn ich das Buch weglegte, verschwendete ich keinerlei Gedanken mehr daran, was die Gruppe Flüchtender noch alles würde ertragen müssen, ehe sie ihr Ziel erreichten. Auch das erneute danach Greifen fiel mir zunehmend schwerer. Es schien jedes Mal so, als wäre ich mit Lichtgeschwindigkeit aus dem Geschehen katapultiert worden, nur um mich dann langsam und mühselig zurückkämpfen zu müssen. Dabei war es, wie schon gesagt, zu keiner Sekunde langweilig und es gibt, im Grunde nichts, was man bemängeln könnte – aber es fehlte schlicht an den nötigen Gefühlen, um mitzufiebern. Das Ende bot dann den nächsten und wohl größten Kritikpunkt: einerseits sah man es bereits kommen, andererseits wurde es extrem übereilt und gehetzt abgewickelt. Zwar gab es mal einen kurzen Anflug von Feuerwerk, doch der verpuffte ganz urplötzlich und ließ mich völlig fassungslos zurück. Sorry aber sind der Autorin die Ideen ausgegangen? Wusste sie nicht, wie abhandeln? Es ist beinah ein Armutszeugnis, der Protagonistin eine Ohnmacht zu verpassen und die Auflösung einfach hinter ihren (und unserem) Rücken stattfinden zu lassen. Augen zu, Augen auf, alles vorbei. Echt schade, denn während die restliche Geschichte vor Plots und Twists nur so trieft, ist das große Finale eine bittere Enttäuschung. Wie auch schon im Band 1 gab es gewisse Spannungen der Protagonistin gegenüber. Zu Beginn hegt man noch große Hoffnung, denn sie scheint endlich etwas reifer und nachvollziehbarer geworden zu sein! Doch nähert man sich dem zweiten Drittel, muss man einsehen, dass das nichts weiter als Wunschdenken war. Camille ist noch immer recht kindlich und handelt zu unbedacht. So manche Reaktion und Aktion ihrerseits traf bei mir auf komplettes Unverständnis. Ständig war da dieses Bedürfnis, dieses Mädchen mal kräftig zu schütteln und ihr entgegen zu brüllen, sie solle sich jetzt mal zusammenreißen und nachdenken, bevor sie ihre Klappe aufmacht. So war sie einerseits also furchtbar nervig, doch ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, ich hätte so gar nicht mit ihr mitgefiebert. Auf einer gewissen Ebene empfand ich sie als durchaus sympathisch, gar liebenswert und ihr Kampfgeist schlicht bewundernswert – aber gleicht das ihre negativen Eigenschaften wirklich aus? Das bliebt zu bezweifeln. Es hätte mehr Bedachtheit, mehr Reife und vor allem mehr Selbstbeherrschung bedurft, um sie richtig passend für die Geschichte zu gestalten – dann aber wiederum wären so einige Plots auf der Strecke geblieben. Schwierig abzuschätzen, ob es mit einer klügeren Hauptfigur überhaupt etwas geworden wäre mit der Rebellion. Andere Charaktere, wie zum Beispiel Remy, Edel und Co waren hingegen recht sympathisch und angenehm gestaltet. Natürlich gab es wie immer mal liebenswertere mal weniger liebenswerte Figuren, doch im Großen und Ganzen überzeugten sie doch alle auf ihre Art und Weise. Besonders schön empfand ich das Wiedersehen mit lieb gewonnenen Persönlichkeiten wie den Modeminister zum Beispiel – oder die anderen Schwestern von Camille und Edel. Da war die Freude groß und die Eigenschaften derjenigen, die man ins Herz geschlossen hat, zogen sich auch durch diesen zweiten Band – sehr zu meiner Erleichterung. Was leider überhaupt nicht überzeugte, war die Liebesgeschichte innerhalb des Romans. Die war schlicht und ergreifend unnötig und ruinierte so wirklich einiges. Das wiederum war dann aber wohl wieder Camille und ihrer Sprunghaftigkeit geschuldet – denn würde sie endlich mal wissen, was sie will, wäre es wohl gar nicht zu der Lovestory gekommen und der Handlung wäre einiges erspart geblieben. Nun denn. Leider waren die Figuren jetzt rückblickend betrachtet weniger überzeugend, als in Band 1. Schade. FAZIT: „The Belles – Königreich der Dornen“ von Dhonielle Clayton lässt leider so manche Wünsche offen und kann so nicht mit dem vorherigen Band der Reihe mithalten. Eine zickige Diva, die die Klappe nicht halten kann, als Protagonistin und ein wirklich bescheidenes Ende des Buches ruinieren den Lesespaß. Trotzdem komme ich nicht umhin, die Spannung und auch den Einfallsreichtum, sowie den blumigen, ausschweifenden Stil der Autorin zu loben. Einfach eine nette Unterhaltung, mit einigen Kritikpunkten. Wer Band 1 mochte und gern erfahren würde, wie es weitergeht, ohne dabei viele Ansprüche an den Tag zu legen, wird die Fortsetzung sicher auch interessant finden. Für mich leider aber zu weit weg vom Highlight, sodass ich nicht weiß, ob ich Band 3 (falls es einen geben sollte) überhaupt noch eine Chance geben möchte.

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