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Johannes ist tief geprägt von seiner Kindheit und Jugend. Seine Mutter verstarb früh, sein Vater für ihn wenig durchsichtig - und zudem immer beschäftigt mit konspirativen Aktionen und Texten. Kurz nach der Wende verschwindet sein Vater urplötzlich, der Junge bleibt zurück und lebt fortan bei seiner Großmutter.

Die Traumata vom Verlassenwerden, von ständiger Unsicherheit machen es auch dem Erwachsenen schwer, sich in Gruppen einzufinden, Freundschaften zu schließen, ein Familienleben zu führen. Als er einen Brief an seinen Vater findet, macht er sich auf die Suche nach dem Verschollenen. Seine schmerzlichen Entdeckungen wirken kathartisch und verändern seinen Blick auf sein Leben, das Leben seiner Eltern, die Vergangenheit.

Matthias Jügler schafft hier einen sympathischen Protagonisten, der ungeschickt im sozialen Leben ist, aber immer versucht, irgendwo und irgendwie dazuzugehören, eigentlich auf der Suche nach Sicherheit und Geborgenheit scheint, aber immer wieder Menschen, die ihm nahekommen, verprellt. Ganz unabhängig von der persönlichen Geschichte ist dies auch das Porträt einer Generation, die eigentlich immer auf der Suche ist und große Schwierigkeiten hat, irgendwo anzukommen und sich heimisch zu fühlen. Jügler vermeidet dabei jegliche Lamoryanz, seine ruhige, schnörkellose Sprache lässt den Roman als einen langen inneren Monolog empfinden, ich bin seinem Protagonisten gerne gefolgt.

Dieses Buch kann viel zum Verständnis von Menschen beitragen, deren Biographie von der DDR geprägt ist, ohne dass sie selbst explizit »ostdeutsch« sind. Mich hat dieses Buch sehr berührt.
Die Verlassenen
Die Verlassenen
Matthias Jügler
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