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Die Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim ist in der deutschen Medienlandschaft seit einigen Jahren eine feste Größe, weil sie unermüdlich mit charmanter Sachlichkeit gegen wissenschaftliches Unwissen, Fake News und Populismus ankämpft. In ihrem aktuellen Buch greift die Chemikerin acht große Diskussionsthemen auf, die sie nicht nur auf ihren wissenschaftlichen Gehalt hin überprüft, sondern dem Leser auch die Methoden und Hintergründe erklärt, wie sie zu den Antworten kommt (oder auch mal nicht). Sie spricht über die Legalisierung von Drogen, den Zusammenhang von Videospielen und Gewalt, den Gender Pay Gap, klassische vs. alternative Medizin, die Sicherheit von Impfungen, die Erblichkeit von Intelligenz, die Unterschiede zwischen Männer- und Frauengehirnen und reißt die Frage nach der ethischen Vertretbarkeit von Tierversuchen auf. Abschließend plädiert sie – sehr passend vor dem Hintergrund der letzten Monate in der Corona-Pandemie – für eine andere Diskussionskultur und einen anderen Umgang mit der Wissenschaft.

Was wird bleiben aus dieser unsäglichen Zeit der Pandemie? Neben den dramatischen Einschnitten in unser Privatleben, mit denen wir sicherlich unsere Enkelkinder irgendwann einmal nerven werden, sind es für mich zwei Erkenntnisse: 1. es gibt sehr viele Menschen mit sehr seltsamen Weltanschauungen, die sie im Internetzeitalter frei in die Welt rausbrüllen, und 2. der Transfer von wissenschaftlicher Erkenntnis in die breite Öffentlichkeit glückt nicht wirklich. Viele Forscher kommunizieren so, dass sie in ihrer Community verstanden werden, wer nicht vom Fach ist oder auch nur wenig Ahnung von naturwissenschaftlichen Methoden und vor allem Dingen wie Statistik und Stochastik hat, kann entweder gleich gar nichts mit den Informationen anfangen oder deutet sie gänzlich falsch. Da wir nicht alle kurzfristig fortbilden können – und dies auch nicht alle wollen – sind Vermittler, die beide Sprachen sprechen unentbehrlich. Uns nutzt der Zugang zu allen Daten nichts, wenn wir diese nicht verstehen und keine sinnvollen Schlüsse aus ihnen ziehen können.

Genau wie auch auf ihrem YouTube-Kanal oder in Quarks nähert sich Mai Thi Nguyen-Kim mit naiver Neugier den Fragen. Vor allem der Blick hinter die Ergebnisse, also die Frage wie geforscht wurde, welches Versuchssetting es gab und was die gewonnenen Daten tatsächlich aussagen – oder auch nicht – ist erhellend zu lesen. Sie bricht die Komplexität auf Laienniveau herunter, erklärt wichtige Fachbegriffe auf leicht verständliche Weise und macht vor allem deutlich, weshalb keine Antwort manchmal eine gute Erkenntnis in der Wissenschaft ist.

Was ihr vor allem gelungen ist, ist zu zeigen, das wissenschaftliche Diskussion anders funktioniert als politische oder öffentliche Meinungsbildung. Es geht nicht um Personen oder darum Recht zu haben, sondern sich gegenseitig zu prüfen, um als Community in der Erkenntnis weiterzukommen. Um vernünftig miteinander zu diskutieren und die Komplexität der Welt zu begreifen, benötigen wir jedoch eine gemeinsame Basis, ihr aktuelles Buch ist ein gelungener Beitrag, dem es gelingt, zwei Welten einander näher zu bringen und denjenigen, die sich lieber sachlich fundiert eine Meinung bilden möchten, dazu etwas an die Hand zu geben.
Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit
Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit
Mai Thi Nguyen-Kim
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