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[TW: Sexueller Missbrauch]
“Ich konnte ihn mir nicht verliebt vorstellen. Ich konnte mir niemanden aus meiner Familie verliebt vorstellen. Wir waren keine liebende Familie. Wir waren einfach nur Erbgutträger die Nachfahren in die Welt setzten und taten was getan werden musste. Oft auf die denkbar schlechteste Weise und mit erbärmlichem Ergebnis.” - S. 265

Nach jahrelanger Abwesenheit kehrt Jana nach Smalånger zurück, das Dorf in dem sie aufgewachsen ist. Ihr Zwillingsbruder Bror, der den Ort nie verlassen hat, kämpft mit seiner Alkoholsucht und genau wie seine Schwester mit den Erinnerungen an eine Kindheit, die geprägt war von einem gewalttätigen Vater, der Jana missbrauchte, und einer geistig abwesenden Mutter, die sich dem Familienoberhaupt stets unterordnete, statt ihre Kinder und sich selbst zu schützen. Generell ist das Leben in dem kleinen Ort geprägt von Geheimnissen, Machtspielen und Intrigen. Doch Bror ist alles, was Jana hat, und so beginnt sie sich wieder in das dörfliche Leben einzufügen, sucht sich einen Job, beginnt eine Affäre mit dem Nachbarn, dessen Wutausbrüche erschreckend an ihren Vater erinnern, und setzt sich immer mehr mit der Vergangenheit auseinander - und der Frage, ob es eine Zukunft für sie geben kann.

Anführungszeichen und Kommata sucht man in diesem Buch vergeblich, ich musste mich zuerst daran gewöhnen und bin manchmal gestolpert, doch man ist schnell so im Erzählfluss drin, dass es einem ganz normal vorkommt. Und irgendwie schafft gerade das auch so eine starke Nähe zu Jana verstärkt den Sog der Geschichte umso mehr, denn es zeigt, wie sich ihre Gedanken überschlagen und nie zur Ruhe kommen. Obwohl sie unfassbar Grausames erlebt hat, führt sie ihr Leben mit verzweifeltem Mut weiter, kümmert sich sogar noch um andere. Immer wieder zieht es ihr und auch einem als Leser*in den Boden unter den Füßen weg, bei all den Dingen, die ans Tageslicht kommen. Und auch wenn man es kaum aushält an manchen Stellen, wird man quasi gezwungen, “Guck hin”, durch die Wendungen, die permanente Spannung und die Empathie, die sich zwangsweise einstellt. Ein brutales, stellenweise verstörendes und doch auch zartes, poetisches, vorsichtig hoffnungsvolles Buch. Definitiv außergewöhnlich und lesenswert.

“Dann gingen wir hoch. Zogen uns aus. Das Obstmesser fiel aus meiner Tasche als ich die Strickjacke auszog. Er sah es und und sein trauriges Gesicht musste lächeln. Du warst schon immer eine Kriegerin sagte er. Ich hatte schon immer Angst dachte ich.” - S. 209
Mein Bruder
Mein Bruder
Karin Smirnoff
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