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nonostar

Posted on 8.9.2020

Nicolas Mathieu erzählt hier die Geschichte von Rose. Sie ist fast 50 und hatte bisher eher schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht. Dann lernt sie Luc kennen und alles scheint gut am Anfang. Doch natürlich bleibt nicht alles so harmonisch. Angepriesen wird hier "die Geschichte einer Frau, die beschließt, kein Opfer mehr zu sein" doch davon konnte ich auf den 96 Seiten absolut nichts finden. Die Sprache von Mathieu ist wirklich schön und bietet viel Potential um wirklich in eine Geschichte einzutauchen. Doch dann kommt er mit so einem nichtssagenden Inhalt und furchtbaren Charakteren daher, dass man beim Lesen nur noch den Kopf schütteln kann. Rose hatte nicht gerade das beste Händchen mit Männern bisher und sie will sich endlich nicht mehr als Opfer sehen und die Angst umkehren. Doch dann bleibt sie immer wieder an Oberflächlichkeiten hängen, geht mit Luc in ein tolles Restaurant obwohl sie ihn wenige Stunden zuvor noch verlassen wollte - denn "Rose konnte diese außergewöhnliche Einladung einfach nicht ausschlagen. Man lebte schließlich nur einmal." Immer wieder fällt sie in altbekannte Muster zurück und redet sich weiß Gott was ein, macht sich abhängig von Luc, bricht den Kontakt zu alten Freunden und bekannten, ihrem Job ja einfach ihr ganzes altes Leben ab und das alles für einen Mann, der sie behandelt wie ein Stück Dreck, was ihr auch durchaus bewusst ist. Von einer Frau, die kein Opfer mehr sein möchte, sehe ich da nichts. Auch gibt einem der Autor manchmal das Gefühl, das was Rose passiert ist gar nicht so unerträglich, sich Begrabschen lassen, zum Sex gezwungen zu werden, Schläge, kein Problem, alles nicht so schlimm, eine Woche später schon wieder vergessen. Die Männer sind ebenfalls sehr negativ dargestellt, alles Grobiane, die sich auf ihre Männlichkeit was einbilden. "Männer funktionierten nach einfachen Regeln. Man durfte nicht glauben, was sie sagten. Man konnte sie nicht ändern. Nicht retten. Selbst die Sanftmütigsten waren am Ende nur Tiere. Ihr letztes Mittel blieb die Gewalt." Und auch hier wieder das Gefühl, ach alles nicht so schlimm, so sind sie halt, die Männer, damit muss Frau leben. Fazit: Diese 96 Seiten sind genauso überflüssig wie Rose' Revolver. Warum sich der Autor hier nicht mehr Zeit genommen hat für seine Figuren bleibt mir schleierhaft.

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