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Gabriele Feile

Posted on 2.9.2020

Im Grunde unverzichtbar Noch nie hat mich ein Sachbuch so gefesselt, wie „Im Grunde gut“ von Rutger Bregman. Ich konnte einfach nicht aufhören zu lesen und war in kürzester Zeit fertig. Das fühlte sich ein bisschen wehmütig an und so, als ob ich eine Tafel Schokolade zu schnell gegessen hätte. Schicht für Schicht Bregmann sagt, was Sache ist. Auch wenn das viele nicht hören wollen und er in Deutschland nur schwer einen Verlag fand für sein Buch. Die Deutschen würden nicht an das Gute im Menschen glauben, so ein Verlag, der ablehnte. Doch auch in USA und in Frankreich war man nicht wirklich offen für sein Thema. Und das bestätigt genau das, was Bregman Schicht für Schicht aufdeckt: das Bild von (anderen) Menschen ist bei vielen von uns sehr festgefahren. Während wir selbst uns natürlich für gut halten, glauben wir das von Nachbarn, Kollegen oder Mitbürgern nicht. Sie trennen den Müll nicht, sie sind faul und sie sind egoistisch. Und die Fremden erst! Die Droge Nachrichten Bregman interessiert, genau wie mich, das Warum hinter der eingefahrenen negativen Meinung. Die größte Abhängigkeit unserer Zeiten, da ist Bregman sicher, sind die Nachrichten. Wir konsumieren sie jeden Tag, sie werden subventioniert und auch unseren Kindern verabreicht. Dabei bestätigen zahlreiche Studien mittlerweile, dass der Konsum von Nachrichten der geistigen Gesundheit schadet. Das liegt auch daran, dass über gute Nachrichten, obwohl sie täglich mannigfaltig und überall vorkommen, kaum berichtet wird. „Heute ist kein Krieg ausgebrochen“, hat keinen Nachrichtenwert. Fehleinschätzungen und Manipulationen Zahlreiche Experimente und Studien, von denen viele in den 1960er Jahren stattfanden, bewiesen anscheinend, dass Menschen von Natur aus schlecht sind. Bregman tauchte tief ein in die Hintergründe dieser bekannten Experimente (z.B. Stanford-Prison-Experiment oder das Milgram-Experiment, das ist das mit den Stromstößen). Und siehe da: Obwohl sich nach wie vor Psychologen und Soziologen auf diese Experimente beziehen, sind sie recht häufig nicht korrekt. Die Teilnehmer wurden manipuliert, die Ergebnisse geschönt und die Presse tat ihren Teil. Was ich sehr interessant fand ist, dass die Wissenschaftler, die die Experimente durchführten mit ihrem persönlichen Verhalten das bestätigten, was sie durch ihr Experiment beweisen wollten: sie selbst waren von Egoismus und der Sucht nach Aufmerksamkeit getrieben. Ihre Probanden hingegen waren zum Großteil: im Grunde gut. Nur durch die Manipulationen ließen sie sich zu bestimmten Dingen hinreißen. Nocebo Menschen werden so, wie du sie behandelst. Das gilt für kleine Kinder genauso wie für Gefängnisinsassen. Will heißen: wenn wir davon ausgehen, dass jemand negativ reagiert, behandeln wir diese Person schon so und führen damit genau das Verhalten herbei, das wir wollen. Wir fühlen uns dadurch bestätigt. Dass dies auch umgekehrt funktioniert, das vergessen Menschen gerne. Und genau darum geht es. Zehn Regeln Bregman beschließt sein Buch mit zehn Regeln, die er persönlich befolgt, und die er seinen Leser:innen ans Herz legt. Diese Regeln fassen das Buch großartig zusammen und sie beginnen so: Geh im Zweifelsfall vom Guten aus! Mein Fazit Das Buch „Im Grunde gut“ ist ein unverzichtbarer Baustein im Protest gegen eine zunehmend zynisch geprägte Welt. Wir dürfen an das Gute im Menschen glauben, denn das ist das was dominiert. Positive Erlebnisse kommen viel häufiger vor als negative!

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