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Sekania

Posted on 17.2.2020

Ein geglückter Schlichtungsversuch ... Feminismus ist ein müßiges Thema. Eines das polarisiert, das die Gemüter erhitzt, ermüdet, und zu dem eigentlich schon alles gesagt wurde, was gesagt werden muss, und oft auch einiges mehr. Es ist ein Thema, das zu diskutieren den wenigsten noch Freude bereitet - mir definitiv nicht mehr - und dem wir trotz allem nicht aufhören dürfen Raum zu bieten, nicht solange Sexismus eben doch noch für viele Realität ist. Aus dieser frustrierenden Ausgangssituation heraus habe ich mich entschieden dieses Buch zu lesen und wurde belohnt. Sophie Passmann und auch einige ihrer Gesprächspartner waren mir beim Kauf des Buchs bereits ein Begriff, darunter einige, die ich für die Meinungen, die sie vertreten, sehr schätze, was mich unter anderem zum Lesen dieses Buchs bewegt hat. Insgesamt halte ich die Auswahl der Interviewpartner für sehr gelungen. Die Begegnungen bilden ein relativ breites Spektrum an Meinungen ab, ohne dabei zu viel Zeit für reaktionäre Positionen zu verschwenden. Sophie Passmann schreibt geradlinig, humorvoll und selbstironisch und schafft es die Atmosphäre in den verschiedenen Gesprächen sehr lebendig und oft auch nicht ohne Situationskomik darzustellen. Die Autorin glänzt durch gute Beobachtungsgabe ihren Mitmenschen gegenüber. Die gelungene Balance zwischen direkten Zitaten, Anekdoten, Verhaltensbeschreibungen und kritischer Einordnung erlauben dem Leser ein differenziertes Bild der verschiedenen Personen und Meinungen. Insgesamt habe ich die Gespräche als sehr respektvoll und konstruktiv erlebt. Inhaltlich hat das Buch für mich wenig neue Aspekte geliefert, aber dafür einige vertieft und besser verständlich geacht. Was bleibt ist die beruhigende Erkenntnis, dass man über das Thema Feminismus immer noch unaufgeregt, intelligente Gespräche führen kann, ohne Floskeln, Vorurteile und Polarisierung.

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