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S. J.

Posted on 3.2.2020

Der zweite Teil von Julie Kagawas Drachenreihe setzt nahtlos an die Ereignisse des vorherigen Bandes an. Von der ersten Zeile an befindet sich der Leser mitten im Geschehen - eine Verschnaufpause wird ihm nicht vergönnt. Doch das ist alles andere als schlimm, denn so wird man von Anfang an in die Geschichte gezogen und möchte das Buch nicht mehr zuklappen, ehe man die letzte Seite gelesen hat. Der Originaltitel des Buches lautet "Rogue", was "Einzelgänger" ider "Schurke" bedeutet. Dadurch bekommt man schon einen deutlichen Hinweis darauf, worum es gehen wird. Das Buch behandelt die Geschichte von Riley, der einst Teil von Talon war, der Organisation allerdings den Rücken kehrte, um die Drachen zu befreien. Viele Kapitel werden aus seiner Sicht erzählt und spielen zwölf Jahre vor den Ereignissen aus "Talon – Drachenherz". So bekommt man einen sehr tiefen und detaillierten Einblick in Rileys Leben und lernt, ihn besser zu verstehen. Es ist sehr interessant zu erfahren, welche Aufgabe er in der Vergangenheit bei Talon innehatte und wie es dazu kam, dass er mit Wes zusammenarbeitete. Beim Lesen dieser Kapitel spürt man deutlich, wie sehr Riley die Organisation verachtet, da diese keine Rücksicht auf Verluste nimmt. Er wurde von vorne bis hinten von Talon ausgenutzt und fungierte als Marionette in deren kranken Spielen. Es gelang ihm allerdings, sich loszureißen und gemeinsam mit Wes zahlreiche Drachen zu befreien. Im ersten Teil kann er Ember davon überzeugen, das Leben als Einzelgänger anzutreten und Talon den Rücken zu kehren. Gemeinsam sind die beiden nun auf der Flucht. Wie hart das Leben außerhalb der Vertrautheit Talons sein kann bekommt Ember nun selbst zu spüren. Hinter jeder Ecke könnten Gefahren lauern, doch das junge Drachenmädchen lässt sich von nichts und niemanden einschüchtern. Sie ist stärker und mutiger als jemals zuvor und entwickelt sich stetig weiter. Ein wenig störend ist das Gefühlsdreieck, in dem sie sich befindet. Einerseits schlägt ihr Herz für den Soldaten Garret, doch andererseits ruft ihr innerer Drache stets nach Riley (oder besser gesagt seiner Drachenform Cobalt). Wie soll ein Drache auch jemals mit einem Menschen glücklich werden? Ember wäre noch ein Teenager lange Garret Tod. Doch man kann nicht entscheiden, in wen man sich schlussendlich verliebt. Dieses Gefühlschaos wird sich mit Sicherheit noch die restlichen Bände hinziehen und so schnell wird es keine Antwort auf die Frage, für wen sie sich entscheiden wird, geben. Auch Garret befindet sich in einem Zwiespalt, da er es ihn verwirrt, dass er nun an der Seite von Drachen kämpft, wo er diese doch all die Jahre getötet hat. Er kann sich selbst nicht für diese schrecklichen Taten verzeihen und wird von diesen Erinnerungen heimgesucht. Allerdings verändert auch er sich im Laufe der Handlung und entwickelt sich weiter. Er lernt, dass man die Vergangenheit hinter sich lassen und nach vorne blicken muss. Leider bekommt man noch keinen allzu tiefen Einblick in seine Welt, da sich die Autorin das für den dritten Band aufspart. Trotz des anstrengenden Liebesdreiecks gelingt es Julie Kagawa erneut, die Leser für sich zu gewinnen. Durch den Perspektivwechsel – in diesem Band werden die Geschehnisse aus vier verschiedenen Blickwinkeln erzählt – bekommt man einen Einblick in die Köpfe zahlreicher Mitstreiter des stillen Krieges, der tobt. Die Handlung ist deutlich spannender und actionreicher als es im Vorgänger der Fall war. Zahlreiche Eindrücke von St. Georg und Talon werden geliefert und der Leser lernt schnell, beide Organisationen für deren skrupellose Methoden zu verabscheuen. Sie scheuen sich nicht, jeden zu töten, der sich ihnen in den Weg stellt, wodurch sich weder die Drachen noch die Drachenjäger viel nehmen. Sie sind sich deutlich ähnlicher, als sie vielleicht denken mögen. Das Ende ist erneut unverschämt offen gehalten. Wann die Übersetzung des dritten Bandes kommt, steht noch in den Sternen. So muss man sich wohl oder übel in Geduld üben. Fazit Actionreicher und spannender als Teil eins kommt "Talon – Drachenherz" daher und entführt den Leser in eine faszinierende Welt, in der Drachen und Drachenjäger nicht nur gegeneinander, sondern auch Seite an Seite kämpfen. Detailliertere Einblicke in die Charaktere helfen den Lesern, sich besser mit ihnen identifizieren zu können. Einziges Manko ist Embers Liebesdreieck, das sich vermutlich noch durch die folgenden drei Bände ziehen wird.

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